Psychologen schlagen Alarm: Kinder brauchen Konsequenz
Immer öfter haben Eltern Angst vor ihren gewalttätigen Kindern. Der Grund liegt in Erziehungsdefiziten.

Foto © APA/SymbolfotoImmer mehr Kinder reagieren gewalttätig
Wenn es ums Fortgehen oder um die Erhöhung von Taschengeld geht, akzeptieren Kinder und Jugendliche immer seltener ein Nein ihrer Eltern. "Seit etwa fünf Jahren beobachten wir, dass Kinder und Jugendliche zunehmend aggressiv gegenüber ihren Erziehungsberechtigten reagieren. Sie bedrohen diese und schrecken auch vor körperlichen Übergriffen nicht zurück", sagt Kurt Kurnig, Psychologe und Psychotherapeut bei der Arbeitsvereinigung der Sozialhilfe Kärnten (AVS). "Es beginnt mit verbalen Drohungen, Schreien und Beschimpfen, dann kommt es zur Sachbeschädigung, schließlich zu Schlägen. Eltern wenden sich immer häufiger an uns, weil sie Angst vor ihren Kindern haben", führt Kurnig aus.
Verantwortlichkeit akzeptieren
Im Idealfall wachsen Kinder in einer Atmosphäre von Liebe, Lob, Toleranz und Schutz auf. Sie müssen ihren Eltern vertrauen können und Glauben in deren Handeln legen. Dazu gehört auch, die Verantwortlichkeit von Eltern zu akzeptieren. Und genau hier gibt es Defizite. "Kinder spüren natürlich, welche Rechte sie haben. Ein Nein von Seiten der Erwachsenen können sie dann als Einengung erleben", sagt Kurnig. Auftrag der Eltern ist es einerseits, das Kind zu Selbstständigkeit und Eigenständigkeit zu erziehen, ihm andererseits aber Grenzen zu setzen. "Die Selbstregulation erreicht ein Jugendlicher ja erst mit 15, 16, 17 Jahren", erklärt Kurnig, der bei der Erziehung oft die vorausschauende Konsequenz der Eltern vermisst. Die Folge: Ein jüngeres Kind brüllt, weil es einen Lutscher nicht bekommt, ein Jugendlicher schlägt zu, weil ihm Vater oder Mutter kein Auto kaufen.
Alarmsignal
Eltern, die Angst vor ihren Kindern haben, sollten dieses Alarmsignal bewusst wahrnehmen und sich möglichst rasch um professionelle Hilfe bemühen. "Ihnen muss klar sein, dass sie ihr Kind nicht mit Absicht in Angst versetzt. Aber Kinder wollen Liebe und Konsequenz. Das eine schließt das andere niemals aus. Auf keinen Fall sollte man das Kind ignorieren, herabsetzen oder sich von ihm zurückziehen. Es ist falsch, ein solches Problem zu verschweigen", rät Kurnig.
Die Zahl professioneller Einrichtungen für Eltern reicht laut Kurnig derzeit bei weitem nicht aus. Daher fordert er mehr Elterngruppen. "Ein solches Angebot sollte sich bereits an Eltern richten, die ein Kind erwarten. Wirksame Vorbeugung beginnt bereits vor der Geburt", erklärt der Psychologe.
Wird dem Trend nicht Einhalt geboten, malt Kurnig ein düsteres Zukunftsbild. "Dann wird man - ähnlichen den Frauenhäusern - Schutzeinrichtungen für Eltern schaffen müssen." Womit der Begriff Elternhaus eine ganz andere Dimension erhält.








