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Zuletzt aktualisiert: 25.07.2009 um 22:33 UhrKommentare

Wenn Wetterkapriolen zum Alltag werden

Hochwasser, Hagel und Hitze: Ist der heurige Katastrophensommer ein Vorbote des Klimawandels? Forscher sind skeptisch. Dennoch wird die Zukunft den Wetterextremen gehören.

Foto © APA

Der 6. Juli 2009 wird den Seibersdorfern in Erinnerung bleiben. Einem tosenden Wasserfall gleich stürzte an diesem Montag der Himmel auf die niederösterreichische Marktgemeinde. Binnen einer halben Stunde hatte es 72 Liter pro Quadratmeter geregnet, mehr als sonst im ganzen Juli. Niemals zuvor hatte der Ort heftigere Niederschläge erlebt.

Hochwasser an einem Tag, flirrende Hitze am nächsten, gefolgt von zornigen Unwettern, die golfballgroße Hagelkörner zu Boden schleudern. So erlebt Österreich den heurigen Sommer. Er scheint sich nicht zwischen den Wetterextremen entscheiden zu können, also macht er alles auf einmal. Der Juni war der nasseste, seit es Aufzeichnungen gibt, der Juli mit Überschwemmungen und Tropentagen bislang extrem unbeständig. Ist es das, was uns in Zukunft ständig blühen wird, wenn sich die Atmosphäre weiter aufheizt?

"Früher hat niemand auf so etwas geachtet"

Klimaforscher und Meteorologen sind mit solchen Prognosen vorsichtig. "Natürlich hat dieser Sommer viele außergewöhnliche Ereignisse", sagt Ingeborg Auer, Klimatologin an der Zentralanstalt für Meteorologie (Zamg) in Wien. "Aber es ist nicht so, dass das vorher noch nie da gewesen wäre. Sowohl was die Hitze betrifft, als auch bei den Niederschlägen." Man sei eben, meint Auer, durch die viele Medienberichterstattung über Wetter und Klimawandel sensibler geworden. "Früher hat niemand auf so etwas geachtet."

Zeit der Wetterextreme

Also noch keine Spur des Klimawandels? Doch, sagt Herbert Formayer, Klimatologe an der Wiener Uni für Bodenkultur. Nur lasse sich aus den vergangenen Sommern alleine noch kein Beweis ableiten. Unbestritten ist: Seit den Siebzigern ist es in Österreich um mehr als ein Grad wärmer geworden. Das belegen die österreichischen Messstellen. Bis zur Mitte des Jahrhunderts werden nach Schätzung Formayers weitere zwei bis vier Grad dazu kommen - im Schnitt, was bedeutet, dass es an jedem Tag um diese zwei bis vier Grad wärmer sein wird.

Klingt nicht viel und macht sich doch bemerkbar. In Österreich nicht nur dadurch, dass es dann eben etwas wärmer ist als früher. Es sind vor allem die Wetterextreme, die an Kraft gewinnen. "Gewitter mit 40 bis 50 Millimeter Niederschlag werden häufiger, gleichzeitig wird es im Süden und Osten Österreichs sehr trocken. Regen kommt in Schüben, dann aber heftig", sagt Formayer. Dass es damit in Österreich mehr Hochwässer geben wird, trauen sich die Klimatologen nicht zu prophezeien.

Die meteorologischen Bedingungen, die das instabile Wetter künftig bestimmen werden, stimmen mit denen dieses Sommers nicht unbedingt überein. "Was heuer bei uns fehlt, ist das typische Azoren-Hoch", sagt Zamg-Meteorologe Hannes Rieder. Gerade dieses Hoch wird nach den Klimamodellen in Zukunft stärker zu tragen kommen - aber immer wieder mit der feuchten Luft aus Nordeuropa kollidieren. "Wir liegen dann genau zwischen den Fronten", sagt Formayer.

Schwere Folgen könnte das für die Landwirtschaft haben. Die selteneren und unberechenbaren Regenfälle machen effizientere Bewässerungssysteme nötig, heißt es im 2008 erschienenen Klimabericht von Global 2000 und der Wiener Boku. Anpassungsbedarf, so meinen die Autoren des Papiers, gebe es für fast alle Lebensbereiche.

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