Neue Akteneinsicht im Fall Kampusch
Die Evaluierungskommission des Innenministeriums im Fall Natascha Kampusch setzt auf die Akteneinsicht in bisher unter Verschluss gehaltene Vernehmungsabschriften große Hoffnungen. "Was immer in den Protokollen steht, das Bundeskriminalamt (BK) hat bestimmte Dinge vor", kündigte Leiter Adamovich, Ex-Verfassungsgerichtshofpräsident, am Freitag gegenüber der APA kryptisch an.
Über Details könne er natürlich nicht sprechen, das würde jeder Kriminaltaktik widersprechen. Generell stelle sich die Frage, "ob sich daraus ein zusammenhängendes Bild ergibt", erklärte Adamovich unmittelbar nach einer Tagung der Kommission. Im Detail geht es um jene Protokolle, die Vernehmungen von Kampusch enthalten. Sie wurden von der Staatsanwaltschaft Wien aus Opferschutzgründen bisher unter Verschluss gehalten. Geplant ist die Einsicht für Dienstag, die Kommission will nach diesem Termin gegen Ende der Woche erneut zusammentreffen und sich beraten.
Wissen will die Evaluierungskommission weiterhin vor allem, ob an Kampuschs Entführung neben Wolfgang Prikolopil weitere Personen beteiligt waren. Obwohl das Opfers selbst und die ermittelnden Behörden stets von einem Einzeltäter sprachen, geht Adamovich weiterhin von möglichen Komplizen aus: "Diese Frage stellt sich und jedes weitere Wort wäre zu viel", betonte er am Freitag. "Das BK hat bestimmte Schritte vor, aber die kann ich natürlich nicht verraten."
Weiteres Thema der Kommissions-Tagung waren Medienberichte der vergangenen Wochen über den Fall: "In einzelnen Aussagen ist der Eindruck entstanden, als würde man die arme Frau nicht in Ruhe lassen", empörte sich Adamovich. Dies sei völlig falsch: "Niemand möchte Frau Kampusch schaden, besonders nicht auf dem Weg, den sie jetzt einschlägt, um eine neue persönliche Orientierung zu bekommen", betonte er. "Es geht ausschließlich um objektive Fragestellungen, die noch offen sind."








