Die Kärntner Kirche lädt zum "Priester-Schnuppern"
Mehr als die Hälfte der 337 Kärntner Pfarren hat keinen Priester. Mithilfe des "Offenen Seminars" sollen jetzt neue Kandidaten gefunden werden.

Foto © APDas Sakrament der Priesterweihe soll wieder auf mehr Interesse stoßen
Höchste Zeit für die Kirche, sich um Nachwuchs umzusehen: 191 der 337 Kärntner Pfarren haben keinen Priester. Doch das ist nicht so einfach, denn: "Priesteramtskandidaten kann man nicht mit dem Lasso einfangen", sagt Josef Klaus Donko, Pfarrer von Maria Saal. Deshalb hat sich die Kirche in Kärnten etwas Besonderes einfallen lassen. Im Rahmen des "Offenen Seminars" können Interessierte dem Priester bei seiner Arbeit über die Schulter schauen.
Vorerst sind vier Wochenenden geplant, an denen Jugendliche im Pfarrhaus wohnen, mit dem Priester und seinen Mitarbeitern beten, diskutieren und arbeiten. Josef Klaus Donko, der vom Bischof mit der Organisation des offenen Seminars beauftragt worden ist: "Was Pfarrer sein bedeutet, kann man nicht auf der Uni lernen, das lernt man nur in der Praxis." Donko, der jahrelang dem Priesterseminar für Kärntner zunächst in Salzburg und später in Graz als Rektor vorgestanden ist, erinnert sich an seine Jugendzeit: "Zu Hause im Lavanttal bin ich im Pfarrhaus aus- und eingegangen, das gehörte zum meinem Lebensraum."
Deshalb habe er auch kein Problem gehabt, Ja zu sagen, als er gefragt wurde, ob er Priester werden möchte. Der Jugend von heute stellt sich eine viel höhere Einstiegshürde: "Heute traut sich ja keiner mehr, seinen Freunden zu erzählen, dass er am Sonntag die Heilige Messe besucht hat."
Der erfahrene Priester glaubt nicht daran, "dass Gott heute niemandem mehr zum Dienst in der Kirche beruft". Der Ruf sei allerdings schwerer zu hören. Deshalb haben sich in der Diözese Gurk-Klagenfurt zehn Priester zu einem Team zusammengefunden, die für Nachwuchs sorgen wollen, nach dem Motto: "Priester suchen Priester". Die zehn Geistlichen treffen sich regelmäßig, um nach passenden Methoden zu suchen. Ein paar haben sie schon gefunden. So wird etwa jeden zweiten Dienstag im Monat auf "Radio Agora" ein Schülerradio ausgestrahlt, für das Schüler gemeinsam mit ihren Religionslehrern Programm machen. Den Inhalt können sich die Schüler selber aussuchen. Wer sich für den Priesterberuf interessiert, kann nach Rücksprache einen der zehn Priester in seiner Pfarre besuchen und "Priester-Schnuppern", völlig unverbindlich.
Im September kommen zehn Schüler nach Maria Saal, um dort über jugendgemäße Instrumentarien nachzudenken, mit denen man auf den Priesterberuf neugierig machen kann. Donko: "Die Jugendlichen sprechen eine andere Sprache als wir. Das müssen wir in der Kommunikation mit ihnen berücksichtigen."
Features
Nur wenige Schäfchen
252 Priester gibt es derzeit in Kärnten (193 Diözesan- und 59 Ordenspriester),
Altersschnitt: 60,5 Jahre. Der älteste aktive Priester ist Josef Dettelbacher (97) in der Pfarre Reisach.
Eine Besonderheit: Gemessen an der Katholikenzahl hat Kärnten rund 100 Pfarren mehr, als es dem österreichischen Durchschnitt entspricht. 17 Pfarren haben sogar weniger als 100 Katholiken, die kleinste Pfarre ist Kirchberg mit 36 "Schäfchen".










