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Zuletzt aktualisiert: 29.06.2009 um 15:38 UhrKommentare

Wiener U-Bahn-Schubser in Anstalt eingewiesen

46-Jähriger gestand vor Gericht: "Hab' ihm einen Schubser gegeben mit drei, vier Fingern".

Der 46-jährige Mann, der am 27. Oktober 2008 am Wiener Karlsplatz einen 52 Jahre alten Bekannten vor eine einfahrende U-Bahn gestoßen hatte, meinte am Montag in seiner Verhandlung am Wiener Straflandesgericht: "Er ist mir auf die Nerven gegangen." Er habe "überhaupt nicht nachgedacht", gab der frühpensionierte Postangestellte zu Protokoll: "Ich hab' ihm einen Schubser gegeben mit drei, vier Fingern."
Nicht zurechnungsfähig. Da der Täter einem psychiatrischen Gutachten zufolge zum Tatzeitpunkt nicht zurechnungsfähig war - er leidet an einer schizoaffektiven Störung -, hatte er sich nicht wegen versuchten Mordes zu verantworten. Infolge des ihm bescheinigten Schuldausschließungsgrunds beantragte die Staatsanwaltschaft die unbefristete Unterbringung des Mannes in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher. Die Geschworenen kamen diesem Ersuchen einstimmig nach.

Schwer vorstellbar. Für Prozessbeobachter war es schwer vorstellbar, dass der 46-Jährige bis zum 31. August 2008 ganz normalen Dienst in einem Wiener Postamt versah. Erst dann wurde ihm der vorzeitige Ruhestand nahegelegt. Beinahe unverständlich, in einem haspelnden Stakkato beantwortete er nun die Fragen des Gerichts. Vom Staatsanwalt erfuhr man, dass der Mann wenige Wochen vor dem Zwischenfall in der U-Bahn-Station einem siebenjährigen Buben einen heftigen Fußtritt versetzt und kurze Zeit später einen 13-Jährigen in einem Bus geohrfeigt hatte. Beide Kinder hätten ihn "blöd angeschaut", bemerkte der 46-jährige auf eine entsprechende Frage des Gerichts.

An seinem Arbeitsplatz fiel es offenbar nicht auf, dass der Mann seit 20 Jahren an psychischen Problemen litt und mindestens zweimal stationär behandelt worden war. Bei mangelnder medikamentösen Versorgung komme es in solchen Fällen öfters vor, "dass Impulse und Affekte nicht mehr kontrolliert werden können", so die Gerichtspsychiaterin Sigrun Rossmanith.

Augenzeugen. Der Vorfall in der U-Bahn-Station Karlsplatz hatte sich vor zahlreichen geschockten Augenzeugen abgespielt. Täter und Opfer kannten einander aus einem Wettbüro, wo der 46-Jährige gerade ein paar 100 Euro gewonnen hatte. Er lud den 52-Jährigen auf ein Cola ein, wollte das dann aber nicht zahlen, sondern zum Südbahnhof weiterfahren. Der Ältere dürfte ihm deswegen Vorhaltungen gemacht haben, zumal er sein gesamtes Bares verspielt hatte und sich kein Getränk mehr leisten konnte. In dem Augenblick, als die U1 Richtung Reumannplatz einfuhr, schubste der 46-Jährige seinen Bekannten auf die Geleise. Der "Silberpfeil" war zu diesem Zeitpunkt noch mit 40 Stundenkilometern unterwegs. Obwohl der U-Bahnfahrer eine Notbremsung einleitete, donnerte die tonnenschwere Garnitur über den 52-Jährigen hinweg.

"Ich leb´ noch". Wie durch ein Wunder konnte dieser heute in den Zeugenstand treten und den Geschworenen "Ich leb noch!" zurufen. "Es ist einer glücklichen Fügung zu verdanken, dass er überlebt hat", meinte der Staatsanwalt. Das Opfer kam mit Rippenbrüchen, Hautabschürfungen, Prelllungen und einer amputierten Zehe äußerst glimpflich davon. U-Bahnfahren traue er sich seither nur mehr in Begleitung, verriet der Zeuge. Außerdem leide er an Schlafstörungen.


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