Handy-Strahlen: Streit lebt neu auf
Belgien hat die Grenzwerte für Strahlung durch Handy-Funkmasten drastisch gesenkt. Infrastrukturministerin Doris Bures: "Grenzwerte werden vorerst nicht gesenkt".

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Die Doktorarbeit von Dirk Adang an der Katholischen Universität Löwen in Belgien sorgt für Diskussionen: Der Wissenschafter testete, wie Ratten sich verhalten, die bis zu 18 Monate unterschiedlich starken Strahlen oder keiner Strahlung ausgesetzt wurden. Jene Tiere, die der Strahlung länger ausgesetzt waren, wiesen eine doppelt so hohe Sterblichkeitsrate auf.
Grenzwerte gesenkt. Die Studie versetzt die Mobilfunkbetreiber auch hierzulande in Unruhe. Nicht nur wegen des Ergebnisses. Sondern auch, weil Belgien reagiert hat: Es senkte die Grenzwerte für Strahlenbelastung durch Handy-Funkmasten drastisch auf drei Volt pro Meter.
Verlust der Netzabdeckung. Dies hat zur Folge, dass die Sendeleistung der Stationen (Handy-Masten) stark abnimmt, was zu einem Verlust der Netzabdeckung führt. In Belgien wird dies kompensiert, indem tausend Masten neu aufgestellt werden sollen. Das führt dazu, dass auch die Handys eine geringere Sendeleistung brauchen, da die Masten näher sind - was weniger Strahlung für den einzelnen Handy-nutzer bedeutet.
Grenzwerte in Österreich 14 Mal so hoch. Und das könnte auch Folgen für Österreich haben. Denn die Grenzwerte in Österreich sind fast 14 Mal so hoch (41 Volt pro Meter) wie in Belgien, entsprechen aber der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation. "Wenn wir diesen Grenzwert einhalten, sind wir auf der sicheren Seite", sagt Maximilian Maier, Geschäftsführer des Forums Mobilkommunikation.
Gesicherte Untersuchungen. Er verweist auf wissenschaftlich gesicherte Untersuchungen. Diese Qualitätskontrolle habe die Doktorarbeit des Belgiers Adang noch nicht durchlaufen. Auch dessen Doktorvater blieb vorsichtig, inwieweit die Ergebnisse auf Menschen übertragbar sind.
17.000 Sendestationen. Für Österreich, wo es Ende 2007 mehr als 17.000 Sendestationen gab, kann sich Maier eine solche Situation noch nicht vorstellen, er warnt davor, den "wissenschaftlichen Pfad zu verlassen, sonst setzt eine Grenzwertspirale nach unten ein".
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Grenzwerte vorerst nicht senken. Im ORF-Morgenjournal warnt Infrastrukturministerin Doris Bures vor einem möglichen Schnellschuss, es ginge in dem Fall von Belgien um eine Doktorarbeit. Für die Zukunft schließe sie aber nicht aus, dass auf seriöser Basis die Grenzwerte auch in Österreich gesenkt werden.
Schutz vor Strahlung. Die Auswirkungen von Handystrahlen auf den Menschen sind laut Hanns Mooshammer vom Institut für Umwelthygiene der Uni Wien nicht hinreichend bekannt. Er rät aber, Maß zu halten. Wer sich vor Strahlung schützen will, sollte möglichst kurz mit dem Handy telefonieren. Denn beim Telefonieren gibt es die höchste Strahlung. Man sollte auch nur dort telefonieren, wo es einen guten Empfang gibt, ganz schlecht sind fensterlose Räume. Auch beim Autofahren ist die Strahlenbelastung durch die Fortbewegung höher. Ein gut isoliertes Kabel- oder Bluetooth-Kopfhörer für die Freisprechanlage reduzieren die Belastung.
Vorsicht bei Kindern. Besondere Vorsicht gilt bei Kindern. Auch da sind die Auswirkungen nicht bekannt. Daher sollte man ihnen Handys nur für den Notfall geben. Und sie einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Handy lehren.
Folgen der Strahlung
Experte Mooshammer: "Es ist unbestritten, dass hochfrequente Felder wie Handystrahlung das Gewebe erwärmen". Die bisherigen Richtwerte seien so ausgelegt, dass sie das Gewebe schützen. Dennoch: "Es gibt beim Telefonieren mit dem Handy auch Hinweise auf Effekte wie Veränderung an Zellen." Inwieweit das ein Krankheitsrisiko ist, sei nicht klar. Studien dazu sind widersprüchlich.
Handymasten
Bei Masten werden die Grenzwerte laut Mooshammer weit unterschritten: "Ist eine Antenne am Nachbarhaus montiert, misst man in der Wohnung ein Tausendstel des Grenzwertes." Ausnahmen: Funkstationen, die zu niedrig montiert sind.















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