Zwei Milliarden Euro jährlich kostet der Lärm
Lärm führt zu Nervosität, Herzrasen, hohem Blutdruck und auch zu dauerhaften Hörschäden. Obendrein verursacht er einen enormen volkswirtschaftlichen Schaden. In Graz sind nun am Schlossberg und in Parks Ruhezonen geplant.

Foto © APADen Alltags lärm nehmen wir oft gar nicht mehr wahr. Trotzdem macht er krank.
Lärm ist nicht nur lästig, sondern er wirkt sich vor allem negativ auf unsere Gesundheit aus. "Schon eine relativ geringe Lärmbelastung von zirka 50 Dezibel führt automatisch zu Konzentrationsstörungen, Nervosität und Herzrasen", sagt Manfred Walzl, der Leiter des Schlaflabors an der Grazer Siegmund-Freud-Klinik. Problematisch sei natürlich der Straßenlärm, die Nähe zu Flughäfen und laute Musik in Discos.
Alltagslärm.
Aber auch im Alltag sind wir ständig Lärm ausgesetzt. Ein Geschirrspüler erreicht zum Beispiel eine Lautstärke von 50 Dezibel. Auch in Gaststätten kann es bei lauteren Gesprächen 60 Dezibel laut werden. Ab 90 Dezibel entstehen dauerhafte Hörschäden. "Wir sollten mit Lärm schon extrem vorsichtig umgehen", warnt der Lärm-Experte.
Streit und hohe Kosten.
Lärm setzt den Körper unter Stress. "Die Kommunikation leidet, Pessimismus und Aggression steigen. Und es gibt auch mehr Streitereien unter Nachbarn", sagt Walzl. Darüber hinaus entstehen – wenn man Maßnahmen wie Wohnungswechsel, Lärmschutz und Produktionsausfälle berücksichtigt - laut dem Neurologen in Österreich jährlich Kosten von zwei Milliarden Euro.
Schlechte Noten.
Das Phänomen Lärm haben auch die ARGE ZuHören gemeinsam mit dem Christichen Lehrerverband untersucht. Laut der Studie haben fast 60 Prozent der Lehrer angegeben, dass sie es eher oft oder sehr oft mit lautem Lärm in der Klasse zu tun hätten. Mehr als Zwei Drittel hätten den Eindruck, dass es in den letzten drei Jahren in den Klassen eher oder sogar viel lauter geworden sei. Das führt nicht nur zu einem extrem hohen Burnout-Risiko für die Lehrer, sondern der Lärm beeinträchtigt vor allem die Leistungen der Schüler. ?Kindern reagieren besonders empfindlich auf Lärm. Der Puls steigt, die Konzentration lässt nach und die Noten werden schlechter“, sagt Manfred Walzl.
Ruhezonen.
Die Kulturhautstadt Linz reagiert auf das Phänomen Lärm im Rahmen der Kampagne "Beschallungsfrei". Mitten in der Innenstadt, im ehemaligen Centralkino auf der Landstraße, ist ein so genannter Ruhepol entstanden. In diesem akustischen Rückzugsraum können sich Ruhesuchende seit November 2008 gratis und in entspannter Atmosphäre vom Alltagslärm erholen.
Beruhigtes Graz.
Ähnliche Projekte plant Bürgermeister Siegfried Nagl auch in Graz. Wie schon das Gebot, in den Öffentlichen Verkehrsmitteln aufs Handy zu verzichten, gehe es hier darum, anlässlich des Welttags gegen den Lärm Bewußtsein zu schaffen. Geplant sind Ruhebereiche am Schlossberg und in den Parkanlagen, die zum entspannten Sitzen und Lesen einladen, an denen aber Lärm und Wirbel unerwünscht sind. "Ruhe ist für die Erholung unter Tags sehr wichtig. Viele Menschen können aber mit Ruhe gar nichts mehr anfangen", sagt Gemeinderat Thomas Rajakovics. "Lärm hat ein gewisses Suchtpotential. Der Streß, den er verursacht, macht uns aber krank".
Features
Fakten
Auch im ganz privaten Bereich kann Lärm zum Problem werden. Schnarchen kann im Extremfall eine Lautstärke von 90 Dezibel erreichen - das ist so laut wie ein Presslufthammer. Damit die Nachtruhe und das Gehör des Partners oder der Partnerin geschont werden, empfiehlt Manfred Wenzel einen individuellen Hörschutz aus dem Hörakkustik-Geschäft. Dieser dämpft gut und lässt das Ohr besser atmen als zum Beispiel Ohropax.
Fakten
Um Kunden und Mitarbeitern die Lärmbelastung durch Musik-Dauerbeschallung zu ersparen, haben im Großraum Linz 18 SPAR-Filialen das Einkaufs-Radio abgeschaltet. Auch auf Werbedurchsagen wird bis zum Ende des Kulturhauptstadtjahres 2009 völlig verzichtet.
Fakten
Die Welt wird immer lauter, und immer mehr Menschen verlernen das Zuhören. Gegen beide Phänomene macht sich die ARGE Zuhören stark. durch eine Reihe von Studien wird versucht, auf das Problem aufmerksam zu machen. Geleitet wird die ARGE von Josef Zollneritsch, dem Leiter des Schulpsychologischen Dienstes im Landesschulrat für Steiermark, Erich Hotter, Psychologe und Unternehmensberater und Bernd Chibici (Medien- und Kommunikationsberater sowie Buch-Autor.










