Spinner oder Beben-Prophet
Der Forscher Giampaolo Giuliani will die Katastrophe vorhergesagt haben.

Foto © APAGiampaolo Giuliani
"Es gibt Leute, die sich bei mir entschuldigen müssen." Nach dem verheerenden Erdbeben in den Abruzzen zieht der italienische Astrophysiker Giampaolo Giuliani verbittert Bilanz. Der Chef des Katastrophenschutzes, Guido Bertolaso, hatte ihn in eine Gruppe von "Vollidioten, die sich die Zeit damit vertreiben, falschen Alarm auszulösen" eingereiht.
Nachdem Giuliani vor einem schweren Beben gewarnt hatte, wurde ein Ermittlungsverfahren gegen den Forscher des Nationalen Instituts für Nuklearphysik eingeleitet. Eine Woche später bewahrheitete sich seine Vorhersage doch noch.
Skepsis der Seismologen.
In zweijähriger Arbeit entwickelte der Physiker ein Gerät zur Frühwarnung vor Erdbeben. Die umstrittene Methode wurde im nuklearwissenschaftlichen Labor unter der Spitze des Gran Sasso bei L'Aquila getestet. Doch bislang zeigten sich Seismologen skeptisch über die Erfindung des Forschers.
Im Keller von Giulianis Villa am Stadtrand von L'Aquila steht eines von mehreren über die gesamte Region verteilten Geräten zur Messung von Radon-Gas, anhand dessen er für das Überleben unzähliger Menschen wichtige Vorhersagen machen zu können glaubt. Der 70 Mal 70 Zentimeter große Bleikasten misst das schwere Radon-Gas, das bei Erdschüben aus dem Gestein austritt.
Noch mehr Opfer?
Mit Hilfe seiner Erfindung hatte Giuliani ein Erdbeben in der Abruzzenstadt Sulmona vorhergesagt. Eine Woche später bebte die Erde, allerdings im dreißig Kilometer entfernten L'Aquila. Wenn die Bevölkerung von Sulmona in Erwartung eines Bebens in die Provinzhauptstadt L'Aquila evakuiert worden wäre, hätte es noch mehr Opfer gegeben, halten Experten vom Nationalen Institut für Geophysik Giuliani vor. Allein der Alarm hatte zu Panik geführt.
"Nicht vorherzusehen".
Italiens oberster Zivilschützer Bertolaso bleibt angesichts der Katastrophe bei seiner Überzeugung: "Das Erdbeben war absolut nicht vorherzusehen". Ein Expertenteam habe nach Giulianis Warnung geprüft, ob dessen Angaben ernst zu nehmen seien und sei zu dem Schluss gekommen, dass die Methode keine genauen Vorhersagen ermögliche.
Nach dem Erdbeben ist der umstrittene Forscher jetzt selbst zum Obdachlosen geworden.











