Diskussion: Wetter-Extreme sind unvorhersehbar
Experten diskutierten in Klagenfurt, wie man sich gegen Naturkatastrophen schützen kann. Rote Zonen müssen tabu bleiben.

Foto © APALawinen sind schwer einzuschätzen
Wer in der roten Zone baut, muss damit rechnen, früher oder später von einer Naturkatastrophe heimgesucht zu werden." Herbert Grubinger redet bei der 40-Jahr-Feier von Interpraevent (siehe Info-Box) Klartext: "Da reagiert Dummheit und Unverschämtheit." Der 85-jährige Kulturtechniker und Spezialist für Wildbachverbauung - er forscht derzeit in Zürich - spielt nicht nur auf private Bauwerber an, sondern auch auf Begehrlichkeiten der Tourismusbranche. Irgendwo müsse Schluss sein. "Wir brauchen Bewegung im Kopf. Das ist oft wichtiger als Geld."
Investitionen. Geld wird in Kärnten für die Prävention gegen Naturkatastrophen ohnehin in die Hand genommen. Allein 15 Millionen für die Wildbach- und Lawinenverbauung", betont Landeshauptmannstellvertreter Reinhart Rohr. "Aber das reicht bei weitem nicht, um alle Projekte der Gemeinden zu finanzieren." Investitionen in Vorsorge zahlen sich aus, behauptet Franz Prettenthaler vom Joanneum Research: "Am Beispiel der Gail können wir nachweisen, dass jedes Prozent, um das das Schutzniveau erhöht wurde, jährlich 18.000 Euro an Schäden verhindert hat."
Mehr Schäden. Allerdings sei es eine Illusion zu hoffen, dass es einmal ganz ohne Schäden gehe. Für Pretterthaler ist es schon positiv, dass es heute nicht mehr Schäden gebe als vor 50 Jahren - und das, obwohl mehr Menschen in Gefahrenzonen leben und diese viel mehr Werte angehäuft haben.
Meinungen. Wie passt das zusammen mit der von Klimaforschern vertretene These, dass die Zahl der Naturkatastrophen mit der Erderwärmung zunehmen? Die Experten von Interpraevent scheinen dieser der etablierten Meinung zu widersprechen. Grubinger räumt zwar die Erderwärmung ein, hält diese aber für nichts Neues: "Sonst wäre Hannibal nicht über die Alpen gekommen."
Erderwärmung. Christoph Matulla, Klimaforscher bei der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, betont allerdings explizit, dass der Anteil des Menschen an der aktuellen Erderwärmung unbestreitbar ist. Der Zusammenhang mit Naturkatastrophen sei aber schon weniger eindeutig: "Dazu sind die Voraussetzungen der Klimamodelle zu vage."
Katastrophen. Mit der Erderwärmung definitiv zunehmen werden Muren Murenabgänge im Hochgebirge sowie Bergstürze, sagt Matulla. Schuld sei das unweigerliche Auftauen der Permaböden. Auf tönernen Füßen steht jedoch die Voraussagbarkeit von Katastrophen, darin waren sich alle einig: "Man kann nie sagen, wann und wo und wie stark ein Naturereignis eintreten wird." Das liege in der "Schwankungsbreite der Natur".
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Fakten
1965 und 1966 wurde Europa von Hochwasserkatastrophen heimgesucht. Ab 1967 trafen sich Fachleute aus Wissenschaft, Technik und Verwaltung in Klagenfurt, um vorbeugende Maßnahmen zu diskutieren.
Es geht um den Schutz des Lebensraums - vor Hochwasser, Muren, Lawinen Steinschlag etc. Auch die Ursachen dieser Vorgänge werden erforscht und vor allem mit anderen Wissenschaftlern ausgetauscht.
Zusammengefunden haben wissenschaftliche und andere Institutionen aus vielen Ländern - von Japan und Taiwan über Slowenien bis Friaul, Bayern und Südtirol.
Seit 1990 heißt die Forschungsgemeinschaft "Interpraevent" - jetzt feierte man in Klagenfurt das "40 plus-Jubiläum".











