Nach Amoklauf wieder Schulpflicht in Winnenden
Für die Schüler der Albertville-Realschule in Winnenden beginnt am Montag wieder der reguläre Unterricht. Das vom Amoklauf betroffene Gebäude bleibt bis auf weiteres ungenutzt.

Foto © APElf Tage nach dem schrecklichen Amoklauf in Winnenden kehren die Schüler zurück in die Albertville-Realschule
Elf Tage nach dem Amoklauf mit 16 Toten ist
die Albertville-Realschule in Winnenden am Montag zum regulären
Unterricht zurückgekehrt. Das betroffene Gebäude wird aber bis auf
weiteres nicht genutzt. Die 580 Schüler sind auf umliegende Schulen
verteilt worden. Am Mittwoch nehmen zwölf neu eingestellte Lehrer
ihre Arbeit auf, wie der Leitende Schuldirektor Wolfgang Schiele
sagte. Bis dahin würden die Lehrer von Aushilfskollegen unterstützt.
Erlebte schwer zu verkraften. Schiele erklärte, Lehrer der Albertville-Realschule seien zum Teil
stark belastet durch das Erlebte. "Es kann Phasen geben, in denen sie
ausfallen." Damit sich die Schüler auf neue Lehrer einstellen können,
unterrichten zum Teil zwei Lehrkräfte gleichzeitig. Ein Lehrer fällt
wegen starker Traumatisierung bereits aus, wie Schiele sagte.
Zwölf neue Lehrer. Die zwölf neuen Lehrer haben ihre Verträge am Freitag und Montag
unterschrieben. Sie sind zum Teil vorzeitig aus dem Erziehungsurlaub
zurückgekehrt, drei Lehrer sind bereits pensioniert und geben acht
Stunden in der Woche. Der baden-württembergische Kultusminister
Helmut Rau hatte schon einen Tag nach dem Amoklauf die Einstellung
neuer Lehrer in Aussicht gestellt, um genügend Kapazitäten für die
Bewältigung der traumatischen Ereignisse zu schaffen.
Spezialbehandlung der Schüler. Die Schüler werden noch länger geschont. Sie bekamen die
Möglichkeit, im Notfall den Klassenraum zu verlassen und sich draußen
zu bewegen. Auch werde immer wieder Raum für Pausen gegeben, sagte
der Pädagoge Kai Singer im ZDF. Schulpsychologen sagten, nach der
Traumatisierung durch den Amoklauf würden Schlaf- und Essstörungen
sowie Konzentrationsschwäche noch eine Weile anhalten.
Drei Klassen betroffen. Von dem Amoklauf sind etwa 60 Schüler aus drei Klassen unmittelbar
betroffen. Für die am 22. April beginnenden zentralen Prüfungen seien
"ganz flexible Lösungen" getroffen worden, sagte Schiele. Diese
würden für alle Schulen des Zentrums gelten. Damit keine Nachteile
für Schüler entstünden, hätten sie die Möglichkeit, nicht an den
Prüfungen teilzunehmen. Dann würde die bisherige Leistung bewertet.
Maturanten werde ein "Nachtermin" angeboten.
Zunächst geschlossen. Das vom Amoklauf betroffene Schulgebäude bleibt zunächst
geschlossen. Die Entscheidung über die Weiternutzung solle aber nicht
lange hinausgezogen werden, betonte der Schuldirektor. Ob eine
Neugestaltung der Räume wie nach dem Amoklauf in Erfurt die beste
Lösung wäre, "daran scheiden sich die Geister", sagte Schiele. Denn
es gebe auch die Meinung, dass gerade eine Umgestaltung an die Tat
erinnern könnte.
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Tim K.

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