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Zuletzt aktualisiert: 05.03.2009 um 07:28 UhrKommentare

Ein grausamer Fund im Bergwerk

In einem Stollen in Slowenien wurde ein Massengrab mit Tausenden Leichen entdeckt. Die Toten: Opfer der Tito- Kommunisten aus dem Jahr 1945.

KP-Partisanen haben 1945 tausende Menschen im Bergwerk hingerichtet. Eine Kapelle erinnert an sie

Foto © Zurnal24KP-Partisanen haben 1945 tausende Menschen im Bergwerk hingerichtet. Eine Kapelle erinnert an sie

Die Stadt Lasko südlich von Cilli/Celje ist in Slowenien vor allem durch die gleichnamige größte Brauerei des Landes bekannt. Bisher kaum der breiten Öffentlichkeit bekannt war eine kleine Kapelle in der Nähe von Lasko. Auf ihr steht folgender Spruch zu lesen: "Bis zu den verwesenden Knochen der Gegner haben wir keinen Hass mehr." Diese Inschrift erinnert an das Massengrab im Barbara-Schacht, der von 1902 bis 1942 in Betrieb war. Ende Mai oder Anfang Juni 1945 nutzten die siegreichen kommunistischen Tito-Partisanen auch diesen Schacht, um jene zu verbergen, die ihrer Abrechnung zum Opfer fielen.

Massengrab. Hinweise und Gerüchte über dieses Massengrab gab es bereits seit dem Jahre 1990, doch erst im August des Vorjahres begannen umfassende Grabungsarbeiten, hatten doch die Täter nichts unversucht gelassen, ihre Opfer zu verbergen. Nach Angaben des Leiters der slowenischen Kommission für verborgene Massengräber, Joze Dezman, mussten aus dem Bergwerk mit dem vielsagenden Namen "Schlimme Grube" 400 Kubikmeter Geröll herausgeholt und auch noch eine Betonwand beseitigt werden, um zu den Opfern in 400 Meter Tiefe vorzustoßen.

Opfer weitgehend mumifiziert. Ihr erster Anblick wird von Dezman und anderen Ermittlern als einfach entsetzlich beschrieben. Denn durch die massive Abschottung von der Außenwelt waren die ersten Opfer weitgehend mumifiziert. Sie lagen in einem Stollen, der dann zu den beiden 45 Meter tiefen Schächten führte, die randvoll mit Skeletten sind.

Unterirdische Massengrab. Joze Dezman schätzt die Zahl der Opfer auf mehrere tausend und spricht von "einem von 15 slowenischen Srebrenica", die jedoch nicht aus den Zerfallskriegen des alten Jugoslawien in den 90er-Jahren, sondern aus der Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg stammen. Dezman ist der Ansicht, dass sich im Bergwerk das weltweit größte unterirdische Massengrab befindet, das bisher entdeckt wurde. Gleiches gelte auch für die Zahl der mumifizierten Leichen.

600 Massengräber. Auch die slowenische General-Staatsanwältin Barbara Brezigar machte sich gestern ein Bild vom Tatort. "Was ich gesehen habe, ist das Erschütterndste, was man im Leben sehen kann", sagte Brezigar. Sie kritisierte die Versäumnisse der slowenischen Behörden bei der Verfolgung der kommunistischen Massentötungen nach dem Zweiten Weltkrieg. "Dass wir 60 Jahre lang nicht in der Lage gewesen sind, solche Verbrechen zu untersuchen, ist ein Problem. Ich weiß nicht, ob wir die Täter überhaupt noch ausfindig machen können oder ob überhaupt noch wer lebt."

Vergast? Wie die siegreichen KP-Partisanen ihre Opfer umgebracht haben, ist noch nicht geklärt. Es gibt aber Hinweise darauf, dass die Opfer vergast worden sind. Sicher ist, dass in ganz Slowenien unmittelbar nach Kriegsende Massenmorde in enormem Ausmaß begangen wurden. Schätzung sprechen von mindestens 100.000 Toten. Opfer waren all jene, die vor den siegreichen Kommunisten flüchteten. Teilweise wurde sie von den Briten auch aus Kärnten und der Steiermark an die Tito-Kommunisten ausgeliefert. Doch zu den Opfern zählten auch einfache Bürger Sloweniens, die eben keine Kommunisten waren, sowie Angehörige der deutschen Minderheit.

Würdig bestatten. Eine von der slowenischen Regierung eingesetzte Historiker-Kommission hat etwa 600 Massengräber identifiziert. Die Opfer sollen alle würdig bestattet werden. Eine erste große Gedenkstätte wurde auf dem neuen Friedhof in Marburg bereits errichtet.

CHRISTIAN WEHRSCHÜTZ UND WOLFGANG SOTILL

Fakten

Experten vermuten insgesamt 600 Massengräber in Slowenien, von denen auch knapp zwei Jahrzehnte nach dem Ende des kommunistischen Regimes längst nicht alle freigelegt sind.

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