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Zuletzt aktualisiert: 25.02.2009 um 07:21 UhrKommentare

Warnungen vor "gesellschaftlicher Explosion" nach Roma-Mord in Ungarn

In Ungarn haben sich die Warnungen vor einer "gesellschaftlichen Explosion" nach einem erneuten Gewaltverbrechen an Roma intensiviert.

Das abgebrannte Haus in Tatarszentgyörgy

Foto © APADas abgebrannte Haus in Tatarszentgyörgy

Minderheiten-Ombudsmann Ernö Kallai forderte am Dienstag im Budapester Parlament einen "ethnischen Friedensplan" mit konkreten, umsetzbaren Zielen. Der Roma-Vertreter und Parlamentsabgeordnete der rechtskonservativen Oppositionspartei Fidesz-MPSZ, Florian Farkas, warnte wiederum vor einer "gesellschaftlichen Explosion" und "bürgerkriegsähnlichen Zuständen", sollte keine Lösung für die Integration der Roma gefunden werden.

Hintergrund. Ungarn wird seit Wochen von aufsehenerregenden Gewaltverbrechen erschüttert, die mit der Volksgruppe der Roma in Zusammenhang stehen. Zuletzt war in der Nacht auf Montag im Dorf Tatarszentgyörgy südlich von Budapest das Haus einer Roma-Familie in Flammen aufgegangen. Anschließend wurden der Familienvater und sein vierjähriger Sohn erschossen aufgefunden. Die Mutter und die beiden anderen Kinder wurden beim Brand schwer verletzt.

Polizei unter Druck. Heftige Vorwürfe gab es nach dem Angriff gegen die als "brav" und "arbeitsam" beschriebene Roma-Familie gegen die Polizeibehörden wegen "Schlamperei". Die Behörden waren nämlich auch dann noch von einem Unfall durch einen Kurzschluss ausgegangen, als Nachbarn bereits von Schussverletzungen an den Leichen berichteten. Bei der Polizeidirektion des Komitates Pest wurden daraufhin am Dienstag interne Untersuchungen eingeleitet.

Unschöne Debatte. In der ungarischen Öffentlichkeit ist in den vergangenen Wochen eine Debatte über das Thema der "Roma-Kriminalität" entbrannt, samt teils heftiger verbaler Angriffe gegen die Roma von rechtsextremer Seite. Der Polizeichef der nordungarischen Stadt Miskolc war vor drei Wochen vorübergehend versetzt worden, nachdem er auf einer Pressekonferenz Roma für sämtliche Raubüberfälle in der Stadt verantwortlich gemacht hatte.

Entsetzen. Wenig später sorgte der brutale Mord an dem rumänischen Handballer Marian Cozma, der für den ungarischen Verein MKB Veszprem spielte, in einer Diskothek für Entsetzen. Die Tatverdächtigen, von denen zwei später in der Steiermark aufgegriffen wurden, waren Roma gewesen. Minderheitenvertreter warnten daraufhin vor einer Verstärkung von rassistischen Ressentiments. In Ungarn leben offiziell 190.000 Roma als größte ethnische Minderheit; Schätzungen gehen aber zum Teil von bis zu einer halben Million aus.


Frage der Schuld

Orban Kolompar, Chef der Landesselbstverwaltung der Roma (OCÖ), machte "Roma-feindliche Medien" und die Politik für die Tragödie von Tatarszentgyörgy verantwortlich. Er rief das Land für Mittwoch 16.00 Uhr zu Gebet und Gedenken für die Mordopfer von Tatarszentgyörgy auf.

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Foto © APA

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Fakten

Im vergangenen Herbst hatte es bereits mehrere tödliche Angriffe auf Häuser von Roma gegeben, deren Hintergründe bis heute ungeklärt sind.

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