China leidet unter bedrohlicher Wasserkrise
Nicht nur die schlimmste Dürre in China seit fünf Jahrzehnten lässt das Milliardenreich unter Wasserknappheit leiden. Zu viele Menschen verbrauchen im bevölkerungsreichsten Land der Erde immer schneller die abnehmenden Wasserressourcen. Verschwendung und ineffiziente Nutzung verschärfen den Wassermangel. Chinesische und ausländische Experten schlagen schon lange Alarm.
Die Kosten der Wasserkrise sind heute schon dramatisch: 2,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, schätzt die Weltbank die direkten Schäden. Das sei nur "die Spitze des Eisbergs". Mehr als 300 Millionen Chinesen auf dem Lande haben keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser. Krankheiten wie Krebs und Durchfall bei Kindern nehmen zu. 400 der 660 Städte Chinas mangelt es an Wasser. In 108 Metropolen, darunter Peking und Tianjin, ist die Lage besonders ernst. Seit mehr als 100 Tagen hat es in der chinesischen Hauptstadt nicht mehr geregnet. 15 Provinzen leiden in diesem Winter unter der Trockenheit. Vielerorts wurde der Notstand ausgerufen.
Die Ernte auf zehn Millionen Hektar Land ist bedroht. "Es sieht sehr ernst aus", sagt Lester Brown vom Earth Policy Institut in Washington. Die Ernte werde zweifellos zurückgehen. "Die einzige Frage ist, um wie viel", sagt der Wasser- und Nahrungsexperte. Er habe Schätzungen von Ernteeinbrüchen zwischen 2 und 20 Prozent gesehen.
Flüsse und Seen trocknen aus, Grundwasserpegel fallen. Die Wasserverschmutzung steigt dramatisch. Der Klimawandel lässt Gletscher schneller als erwartet schmelzen. "China steht vor einer großen Herausforderung, wie es mit seinen knappen Wasserressourcen umgeht, um sein Wirtschaftswachstum auch in den kommenden Jahren aufrechtzuerhalten", fasst die Weltbank in einer jüngsten Studie zusammen. "Die Aufgabe ist beängstigend."











