Berlusconi gibt Präsident Mitschuld an Eluanas Tod
Auch nach dem Tod der Italienerin Eluana Englaro nach 17 Jahren im Wachkoma sorgt ihr Fall für Kontroversen in Italien. Ministerpräsident Berlusconi betonte, er bedauere, dass "die Initiative der Regierung zur Rettung eines Menschenlebens verhindert worden ist". Damit gab er indirekt dem Staatspräsidenten Napolitano die Mitschuld für den Tod der Patientin.
Das Staatsoberhaupt habe die Unterschrift unter einen Erlass verweigert, der die Ärzte der 38-Jährigen zu lebenserhaltenden Maßnahmen verpflichten sollte, warf der Regierungschef dem Präsidenten vor. "Ich habe ein ruhiges Gewissen, weil ich weiß, dass ich das Richtige getan habe. Eluana ist nicht eines natürlichen Todes gestorben. Sie ist ermordet worden, während andere über die Verfassungsmäßigkeit einer Eilverordnung der Regierung diskutierten", wurde Berlusconi von der rechten Tageszeitung "Libero" am Dienstag zitiert.
Sein Kabinett habe einen "Kampf fürs Leben" geführt. "Ich hätte nie gedacht, dass darüber so viel politischer Streit entstehen würde", so der Premier. Die Frau, deren künstliche Ernährung am Samstag abgebrochen worden war, starb am Montagabend und damit deutlich früher, als von den Ärzten erwartet.
Staatspräsident Napolitano erklärte, er empfinde "tiefe Anteilnahme an der Trauer der Angehörigen Eluana Englaros". Jetzt müsse die Politik schweigen, um der Trauer Raum lassen. Es sei wichtig, dass die großen nationalen Parteien die bestehende Gesetzeslücke zum Thema Sterbehilfe unverzüglich schließen.
Der Vater der Patientin, Beppino Englaro, der seit zehn Jahren für das Sterberecht seiner Tochter kämpfte, bat seine Freunde, ihn in diesem Moment der Trauer alleinzulassen. Eluana wird sehr wahrscheinlich in der Ortschaft Paluzza bei Udine unweit der österreichischen Grenze beerdigt werden, aus der die Familie Englaro stammt. Dort sind auch ihre Großeltern begraben.











