Falsche Liebe: Mastkur für Hund & Katze
Oft bieten Tierfreunde ihren Lieblingen zu viel des Guten. Dabei können schwere Beeinträchtigungen und Krankheiten die Folge sein.

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Unsere Haustiere werden immer schwerer, dicker und kranker! "Ich hatte schon Zehn-Kilo-Katzen, die plumpsten auf meinen Ordinationstisch, ihr Bauch stand auf der Platte an und sie konnten sich nicht mehr bewegen", berichtet der Klagenfurter Tierarzt Wolfgang Siegl. "Auch die meisten Hunde sind übergewichtig", ergänzt Tiermediziner Georg Rainer. Und nicht nur die: "Bei mir war sogar ein Papagei zur Behandlung, der war so fett, dass die Federn wegstanden. Der flog nicht mehr, der wollte lieber getragen werden."
Falsche Tierliebe. Vor allem zwei Umstände sind für die ungesunde Entwicklung verantwortlich. Siegl glaubt, "die Leute wissen nicht mehr, wie viel Hund und Katze fressen, weil keiner mehr Futter selbst zubereitet, sondern Trockenfutter verabreicht." Zweitens: Falsche Tierliebe geht durch den Magen. Rainer ortet "psychologische Gründe in den Gewohnheiten von Herrl und Frauerl. Die Haustiere sind ständig um einen herum, betteln bei Tisch um Essen und naschen sogar beim Fernsehen mit. Die Leute wollen ihre Lieblinge halt verwöhnen."
Gravierende Folgen. Siegl hält es für "kompletten Blödsinn zu glauben, dass Hunde und Katzen ständig etwas zu essen brauchen". Er räumt ein, dass die Tiere für viele allein stehende ältere Menschen das einzig wichtige "Bezugswesen darstellen, das aus falscher Tierliebe überfüttert wird". Die Folgen sind gravierend - und ähnlich wie bei Menschen. Herz-Kreislauf-Probleme, Schäden an Nieren und Leber, pathologische Veränderungen der Bauchspeicheldrüse, Magen-Darm-Erkrankungen und Defekte an den Gelenken. "Viele Symptome machen sich im Winter nicht so bemerkbar", erklärt Rainer, "aber diese Krankheiten können durchaus zu einer mehr oder weniger verkürzten Lebensdauer der Tiere beitragen."
Slow-Diät. Wo Krankheit ist, da ist auch Therapie. Tierärzte empfehlen, für (zu) dicke Katzen und Hunde nach Rücksprache ein Diätprogramm durchzuführen, und zwar, so Rainer, "je dicker das Tier ist, desto länger sollte die Diät sein". Die kann ruhig mehrere Monate dauern und - tierpsychologisch raffiniert - die gleiche Menge, aber kalorienärmeres Futter anbieten, "dann stellt sich Völlegefühl ein und sie spüren keinen Hunger".
In Klappe steckengeblieben. In anderen Ländern sind dicke Tiere medial auf dem Vormarsch. So veranstalteten Tierschützer mit acht Extrem-Übergewichtlern einen 100-Tage-Wettbewerb nach dem Motto "England sucht das Super-Abnehm-Tier". Und in den USA brachte es Kater Hercules mit seinen 20 Pfund zu einiger Berühmtheit: Beim Versuch, Futter zu stehlen, blieb er in der Hundeklappe eines Hauses stecken. Er kam ins Tierheim, zurück zum Besitzer - und ins Fernsehen.










