Orkan tobte über Europa: Mindestens 15 Tote
Mindestens 15 Tote durch Gewitterstürme in Spanien, Frankreich und Portugal. Nahe Barcelona starben vier Kinder beim Einsturz einer Halle. Millionen Menschen ohne Strom. Eisesglätte in Teilen Deutschlands.

Foto © ReutersDer Orkan sorgt für einen verwüsteten Kontinent
Mindestens 15 Menschen sind durch
Orkanböen mit Windgeschwindigkeiten von fast 200 Stundenkilometer in
Spanien, Deutschland und Frankreich ums Leben gekommen. Am
schlimmsten wütete der Sturm in Spanien. In Sant Boi de Llobregat bei
Barcelona wurden am Samstag vier Kinder im Alter zwischen neun und
zwölf Jahren beim Einsturz eines Sporthallendaches getötet. 13 Kinder
und zwei Betreuer wurden verletzt.
Todesopfer.
In Deutschland starb östlich von Offenbach in Hessen ein 40 Jahre
alter Mann, als sein Wagen auf eisglatter Fahrbahn mit einem
entgegenkommenden Auto zusammenstieß. In Gerabronn im deutschen
Bundesland Baden-Württemberg wurde ein 70 Jahre alter Mann am
Freitagabend von einem Scheunentor erschlagen, das der Sturm aus der
Verankerung gerissen hatte.
Fischer ertrunken.
In Spaniens Norden sowie an der Mittelmeerküste kamen durch den
schlimmsten Orkan seit 15 Jahren fünf weitere Menschen ums Leben, wie
der Zivilschutz mitteilte. Vier von ihnen wurden von umstürzenden
Bäumen oder Mauern erschlagen. Vor der Küste Galiciens ertrank ein
Fischer. In dieser Region im Nordwesten des Landes erreichten die
Böen Spitzengeschwindigkeiten von 194 Stundenkilometern. Vor der
Küste wurden bis zu 21,5 Meter hohe Wellen gesichtet.
Stromversorgung unterbrochen.
In Nordspanien waren rund 700 000 Menschen stundenlang ohne Strom,
weil der Orkan Hochspannungsleitungen beschädigt hatte. Zahlreiche
Straßen waren wegen entwurzelter Bäume gesperrt, Dächer wurden
abgedeckt und Werbetafeln oder Baugerüste umgeweht. Bei der Bahn und
im Luftverkehr kam es zu Verspätungen. Die Schiffsverbindungen nach
Mallorca und den übrigen Balearen-Inseln wurden eingestellt.
Rekordböen in Frankreich.
In Frankreich starben beim schlimmsten Sturm seit 1999 am Samstag
nach offiziellen Angaben vier Menschen. Für Millionen Menschen brach
die Stromversorgung zusammen. Zehntausende waren ohne Telefon. Météo
France verglich den Sturm mit dem Orkan "Lothar", der im Dezember
1999 weite Gebiete West- und Mitteleuropas verheert hatte. In
Perpignan seien Rekordböen mit Geschwindigkeiten bis 184
Stundenkilometer gemessen worden.
Verheerende Folgen.
Zwei Menschen wurden in ihren Autos von umstürzenden Bäumen
erschlagen. Ein 78-jähriger Mann wurde auf seinem Grundstück von
herumfliegenden Trümmern tödlich getroffen. Außerdem starb eine Frau,
die zu Hause maschinell beatmet wurde, weil der Strom ausfiel.
Insgesamt waren 1,7 Millionen Haushalte ohne Elektrizität.
Die Flughäfen von Bordeaux und Toulouse wurden stundenlang
gesperrt. Wegen umgestürzter Bäume und Masten brach der Bahn- und
Straßenverkehr weiträumig zusammen. Präsident Nicolas Sarkozy wollte
am Sonntag in das betroffene Gebiet reisen.
Glatteis.
Eisglatte Straßen, starke Schneefälle und Orkanböen mit
Geschwindigkeiten bis zu 176 Stundenkilometern auf dem Feldberg
verursachten am Samstag in Deutschland zahlreiche Unfälle vor allem
in Hessen, Baden-Württemberg und Bayern. Bei den meisten
Glatteisunfällen blieb es aber bei Blechschäden.
Erdrutsch.
Auf der Autobahn 98 im Landkreis Konstanz wurden fünf Menschen
verletzt, als ein Erdrutsch fünf Autos und einen Lastwagen unter sich
begrub. Die Autobahn musste gesperrt werden. Die Erdmassen konnten
nicht sofort abgetragen werden, weil der Hang weiter abzurutschen
drohte. Die Polizei löste den Stau vor dem Erdrutsch zunächst nicht
auf, um zwei Betrüger dingfest zu machen, die zwei Autos mit
Falschgeld bezahlt hatten.












