Immer nur der Nase nach: 200 Kärntner im Riechtest
"Igitt, wie eklig!", schreit der Verstand, wenn es um Schweißgeruch geht. Das Unbewusste ist da pragmatischer, wie eine Kärntner Forscherin weiß.

Foto © APAAn Blumen wurde bei dem Projekt nicht gerochen - dafür sind die Ergebnisse erstaunlich
Ein ungewöhnliches Opfer für die Wissenschaft brachten 200 Greifenburger. "Wir wollten Schweiß, Blut, Harn und Speichel von möglichst nahen Verwandten analysieren um zu erforschen, welche Bedeutung diese intimen Gerüche haben", erklärt Verhaltensforscherin Elisabeth Oberzaucher von der Uni Wien und selbst Greifenburgerin.
Proben gingen nach Amerika. Zehn Wochen mussten die tapferen Teilnehmer parfümfreie Seife und Deos benutzen und weiße, spezial-gewaschene T-Shirts tragen. Hauptquartier war die örtliche Bibliothek, von wo die Proben tiefgekühlt zur Analyse in die USA geflogen wurden.
Partnerwahl. Die Erkenntnisse um das hygienische Dschungel-Camp waren durchaus überraschend, so Oberzaucher: "Wir wissen, dass sich Eltern und Kinder am Geruch erkennen, nicht aber Adoptiv- oder Stiefkinder. Körpergeruch spielt eine wichtige Rolle bei der Partnerwahl, denn er soll ähnlich sein, aber nicht zu ähnlich." Der Grund: Ähnliche Eltern geben mehr ihrer Gene weiter als extrem unterschiedliche, und das finden alle Lebewesen gut, ohne dass es ihnen bewusst ist. Sind sich die Eltern aber genetisch zu ähnlich, wächst die Gefahr von Autoimmunerkrankungen, weil weniger Gene auch weniger Varianten im Abwehrkampf gegen ständig aufrüstende Viren und Bakterien bedeuten.
Gerüche sind wichtig. Oberzaucher findet es erstaunlich, "dass Gerüche sozial verpönt sind, dass wir keine Gerüche produzieren dürfen und so wenige Wörter für Gerüche haben, obwohl sie Emotionen unmittelbarer auslösen können als alle anderen Sinne". Die Wissenschafterin regt an, den Wert des Riechens zu erkennen und zu nutzen: "Hunde können Tumore erschnüffeln, Menschen mithilfe von Gerüchen besser lernen. Wenn wir trainieren, Gerüchen eindeutige Bezeichnungen zu geben, können wir uns auch besser über solche Dinge austauschen."
Nächste Studie im Gang. Beim Boltzmann-Institut für Stadtethologie ("Wir erforschen das Verhalten von Menschen in der Stadt.") ist Oberzaucher ständig an spannenden Studien beteiligt: So fand die Riechstudie zwar schon von einigen Monaten statt, dafür fließt sie aber schon in die nächste ein: Da geht's um die nicht-sprachliche Kommunikation und Durchsetzungfähigkeit zwischen Frauen und Männern.











