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Zuletzt aktualisiert: 16.12.2008 um 16:42 UhrKommentare

Mysteriöse Terrordrohung erinnert Paris an vergessenen Krieg

Kommen die Bombenleger von Paris aus dem linksnationale Milieu?

Die Polizisten kamen gerade rechtzeitig

Foto © APADie Polizisten kamen gerade rechtzeitig

Ein Blutbad zum christlichen Weihnachtsfest wollen die Bombenleger nach eigenem Bekunden nicht. Und mit Al Kaida oder anderen radikalislamischen Gruppen haben die angeblich afghanischen Täter ganz offensichtlich auch nichts zu tun. Die mysteriöse "Afghanische Revolutionsfront", die am Dienstag in einem Pariser Luxuskaufhaus für Bombenalarm sorgte, gibt Rätsel auf. "Die Gruppe ist keinem unserer Geheimdienste bekannt", erklärte Innenministerin Michèle Alliot-Marie.

Vorsicht ist geboten. Im Bekennerschreiben der bisher unbekannten Organisation kommen Worte wie "Allah", "Ungläubige" oder "Heiliger Krieg" nicht vor. Stattdessen sprechen die Täter im Stil linker Gruppen von "euren großen kapitalistischen Kaufhäusern". Mit der Rhetorik des französischen Republikgründers General Charles de Gaulle beenden die Täter ihr Schreiben mit: "Es lebe das Freie Afghanistan". Wer steckt also hinter der Forderung der Täter, die Franzosen sollten ihre Truppen bis Ende Februar 2009 aus Afghanistan abziehen? "Wir müssen extrem vorsichtig mit unseren Reaktionen sein", sagte Präsident Nicolas Sarkozy.

Gefahren in der Heimat. Den Franzosen machte der Schrecken im Luxuskaufhaus schlagartig bewusst, dass der schnell vergessene Krieg im fernen Afghanistan Gefahren auch in der Heimat bergen kann. 3400 Mann hat Frankreich in Afghanistan und Umgebung im Einsatz, davon 2800 in dem Land selbst. Und es sieht so aus, als würden es demnächst mehr werden. Denn der gewählte US-Präsident Barack Obama will Druck auf die Europäer ausüben, damit sie wie die USA mehr Truppen schicken, um den Krieg gegen die Taliban und aufständischen Paschtunen siegreich zu beenden.

Sichere Seite. Juristisch ist Sarkozy auf der sicheren Seite. Im September hatte der UNO-Sicherheitsrat den Einsatz der Internationalen Schutztruppe in Afghanistan (ISAF) bis Mitte Oktober 2009 verlängert. Gleichzeitig hatte die Nationalversammlung ihre Zustimmung gegeben. Doch der Krieg ist in Frankreich unpopulär. Nach dem Tod von zehn französischen Soldaten Mitte August östlich von Kabul fiel die Zustimmung auf ein Drittel. Und bei der Abstimmung in der Nationalversammlung brach die viel beschworene nationale Einheit auseinander. Die Opposition votierte geschlossen mit Nein. Dennoch schickte Sarkozy zusätzlich 100 Mann mit Hubschraubern, Drohnen und Granatwerfern.

Härte zeigen. Sarkozy zeigt sich gegen die Terroristen fest. Seine Haltung habe sich nicht geändert, sagte er. Vor ein paar Monaten erst hatte er den Krieg gegen die "mittelalterlichen" Taliban zum Kampf für die westliche Zivilisation erklärt. "Wenn wir Afghanistan fallen lassen, fällt Pakistan wie ein Kartenhaus" - und Pakistan habe die Atombombe.

Einkalkulierte Anschläge. Terroranschläge wegen des Afghanistan-Krieges kalkuliert die französische Regierung schon lange ein. Seit Monaten herrscht im ganzen Land Alarmstufe Rot wegen Terrorgefahr. Bahnhöfe und öffentliche Plätze werden verschärft überwacht. Doch bisher sah die Regierung die größte Gefahr von der nordafrikanischen Organisation Al Kaida im Islamischen Maghreb (AQMI) ausgehen, die vermutlich auch für die Entführung der Halleiner Sahara-Geiseln Wolfgang Ebner und Andrea Kloiber verantwortlich gewesen war. Die Geheimdienste beobachten zudem muslimische Gruppen, die in den Gefängnissen und Einwanderer-Vorstädten Freiwillige für den Heiligen Krieg anwerben. Bombenleger aus dem linksnationalen Milieu waren in den bisherigen Szenarien nicht vorgesehen.

Hans-Hermann Nikolei/dpa

Fakten

Sarkozy kommt die Aufregung um die Terrorgefahr denkbar ungelegen. Gerade noch hatte er sich im Triumph einer erfolgreichen EU- Ratspräsidentschaft gesonnt, die ihm in den Umfragen kräftige Pluspunkte einbrachte.

Jetzt wird er an sein schwammig formuliertes Wahlversprechen erinnert, die Truppen vom Hindukusch heimzuholen.

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