"Viel Schnee fällt meist in milden Wintern"
Meteorologe Paul Rainer erklärt, warum es heuer ungewöhnlich viel schneite: Die für unsere Breiten typischen Herbstniederschläge haben sich um einen Monat verspätet.
Abgesehen vom Winter 2005/2006 wurde Kärnten in letzter Zeit von Mittelmeertiefs eher stiefmütterlich behandelt. Schnee blieb Mangelware. Warum ist heuer alles anders?
PAUL RAINER: Starke herbstliche Niederschläge sind für unsere Breiten überhaupt nicht ungewöhnlich. Mehr noch: So genannte Herbst-Maxima sind typisch für unser Wetter. Kommt es im Oktober oder November zu einer anhaltenden Südwestströmung, wie wir sie jetzt haben, dann dann schneit es aber nicht, dann schüttet es. Heuer traf uns diese Wetterlage mit Verspätung, also erst im Dezember. Wenn der Niederschlag dann wie jetzt in Oberkärnten und Osttirol aufgrund der Temperaturen als Schnee niedergeht, fällt so etwas den Menschen viel mehr auf als in anderen, "normalen" Jahren.
Kärnten ist derzeit ein geteiltes Land. Der Westen versinkt im Schnee, östlich von Pörtschach ist alles grün. Sogar in Lagen über 1000 Meter Seehöhe wie zum Beispiel in Knappenberg hat es nur geregnet. Wie ist diese markante Zweiteilung zu erklären?
RAINER: Zum einen ist der Osten des Landes fast immer ein wenig milder. Zum anderen sind die Niederschläge hier nicht so intensiv. Das gilt besonders im Fall einer Strömung aus Südwesten. Im Zusammenhang mit dieser Situation muss man eine meteorologische Tatsache berücksichtigen: Starker Niederschlag drückt die Schneefallgrenze. Man hat es ja in Klagenfurt ganz deutlich erlebt: Kaum wurde in den vergangenen Tagen der Regen intensiver, mischten sich bald Schneeflocken darunter. Im Westen hat es dagegen bis ganz herunter in die Täter geschneit.
Viele Menschen wundern sich: Wie ist das Reden von der Erderwärmung mit dem intensiven Wintereinbruch unter einem Hut zu bringen?
RAINER: Das ist ganz leicht zu erklären. Faktum ist nämlich, dass die Temperaturen in Kärnten derzeit um drei Grad über dem Durchschnitt liegen. Es ist also zu warm und nicht zu kalt.
Also richtiges Schneewetter?
RAINER: Ja, so kann man sagen. Man vergisst nämlich häufig, dass viel Schnee vor allem in milden Wintern fällt. Sehr kalte Winter sind dagegen meist schneearm. Dann dominiert ein massives Hoch über Osteuropa unser Wetter. Es wehrt die feuchten Störungen ab. Wie gesagt, dann ist es zwar sehr kalt, aber trocken.
Lässt der schneereiche Winter Schlüsse aufs nächste Jahr zu? Dürfen Touristiker mit einer Wiederholung der intensiven Schneefälle rechnen?
RAINER: So ein Schluss ist überhaupt nicht gerechtfertigt. Man kann zum jetzigen Zeitpunkt wirklich keine Aussagen über den nächsten Winter machen. In der Meteorologie ist es absolut verboten, von einem Einzelereignis aufs Klima, also auf langfristige Entwicklungen, zu schließen. Das Klima muss man immer über einen längeren Zeitraum hinweg beurteilen.










