"Schenken auf Augenhöhe versuchen"
Generalvikar Engelbert Guggenberger über das Einkaufen am 8. Dezember und das Schenken in Zeiten einer heraufziehenden Wirtschaftskrise.
Wie begehen Sie den 8. Dezember als kirchlichen Feiertag?
ENGELBERT GUGGENBERGER: Ich werde in einer der Kärntner Pfarren aushelfen und an diesem Marien-Hochfest die Messe lesen.
Da viele Geschäfte offen sind - gehen sie danach auch einkaufen?
GUGGENBERGER: Sicher nicht. Ich mache das an anderen Tagen.
Was sagen Sie als zweithöchster Kirchenvertreter in Kärnten zum Umstand, dass der Feiertag nicht nur Einkaufstag ist, sondern auch einer der umsatzstärksten?
GUGGENBERGER: Wer heute am 8. Dezember einkaufen geht, wird morgen vielleicht selbst an diesem Tag arbeiten müssen, wenn die Ausnahmeregelung früher oder später einmal zum Normalfall und der 8. Dezember zum Arbeitstag für alle wird. Wir alle müssen uns fragen, ob wir diesen Domino-Effekt wirklich wollen.
Um die Feiertage wird auch international hart gerungen.
GUGGENBERGER: Die Kirche setzt sich mit gutem Grund für den Erhalt der arbeitsfreien Feiertage und vor allem der Sonntage als Frei- und Lebensräume ein. Die Pflege von kulturellen, sozialen und religiösen Traditionen braucht feste Zeiten. Der arbeitsfreie Sonntag ist, wie die Österreichischen Bischöfe kürzlich betonten, der unbestrittene "jour fixe" Europas und unerlässlich für eine Kultur, in der die Menschen einander Zeit schenken können. Derzeit ist die Verankerung des arbeitsfreien Sonntags in der aktuell diskutieren Arbeitszeitrichtlinie der Europäischen Union nicht gesichert.
Sie fürchten, wir müssen sogar um die Advent-Sonntage bangen?
GUGGENBERGER: Von den Bestrebungen, die allgemeine Arbeitszeit auch auf den Sonntag auszudehnen, sind auch die Adventsonntage nicht ausgenommen.
Droht der Kirche, wirtschaftsfeindlich gesehen zu werden?
GUGGENBERGER: Die Kirche weiß sehr wohl um den Stellenwert einer starken und gesunden Wirtschaft und deren Bedeutung als Arbeitgeber für viele Menschen. Gleichzeitig stellt sie aber auch den Wert des Sonntags und der kirchlichen Feste als Unterbrechung des Alltags in den Mittelpunkt.
Was das Weihnachtsgeschäft ankurbelt sind die Geschenke. Das Schenken ist ja etwas zutiefst christliches und die Evangelien sind voll von Aufforderungen, den Nächsten zu beschenken.
GUGGENBERGER: Deshalb gibt es meiner Meinung nach keinen Anlass, den weihnachtlichen Brauch des Schenkens grundsätzlich in Frage zu stellen, selbst wenn es gelegentliche Fehlformen gibt.
Welche beobachten Sie?
GUGGENBERGER: Zum Beispiel die so genannte Konsum-Weihnacht, bei der der materielle Wert und die Menge der Geschenke im Vordergrund stehen.
Sie meinen, die Kunst des Schenkens bestehe darin, dem Menschen etwas zu geben, das es nicht zu kaufen gibt?
GUGGENBERGER: Die wichtigen und wesentlichen Dinge des Lebens wie beispielsweise Freundschaft, Zuwendung, Anerkennung und Aufmerksamkeit kann man sich tatsächlich nur schenken lassen.
Laotse sagt, Güte beim Schenken erzeugt Liebe. Tun wir´s zum Teil für uns selbst?
GUGGENBERGER: Richtiges Schenken ist absichtslos, kommt von Herzen und ist frei von Berechnung.
Der Handel erwartet trotz der Krise einen Umsatzrekord im Weihnachtsgeschäft - ein materieller Tanz auf der Titanic, obwohl zugleich die Armut wächst?
GUGGENBERGER: Das eine sollte nicht gegen das andere aufgerechnet werden. Gerade in der Weihnachtszeit beobachte ich, dass Menschen bei uns besonders sensibel sind für Arme und Notleidende. Wenn man bedenkt, wie viel für Aktionen wie "Licht ins Dunkel", "Kärntner in Not" und "Dreikönigsaktion" gespendet wird, kann man dankbar eine beachtliche Solidarität feststellen.
Wie müssen wir dabei den bekannten Satz aus der Bergpredigt verstehen, in dem es heißt, wenn du gibst, lass die Linke nicht wissen, was die Rechte tut?
GUGGENBERGER: Es ist ein kritisches Wort, das uns auffordert, uns selbst im Akt des Schenkens zurückzunehmen. Wir kennen das, wie leicht das Schenken verdorben wird durch einen leichten Anhauch von Gönnerhaftigkeit. Die Bergpredigt will uns aufmerksam machen, dass wir ein Schenken auf Augenhöhe versuchen sollten.
Zu Weihnachten ist man auch Beschenkter. Wie müssen wir die Erwartungen in Zeiten heraufziehender Wirtschaftskrise justieren?
GUGGENBERGER: Zunächst gilt es, den großen und eigentlichen Hintergrund mit zu bedenken: Wir sind nämlich schon beschenkt durch unser Leben und zu Weihnachten dadurch, dass Gott sich uns selbst als Kind in der Krippe schenkt. Dies befreit uns vom Druck, selbst alles leisten zu müssen und kann uns zu mehr Zufriedenheit und Gelassenheit verhelfen. Mit einer solchen Haltung ist erfülltes Leben auch trotz unerfüllter Wünsche möglich.











