Kinder und Jugendliche geraten immer öfter in die Drogenfalle
Bei der heutigen Jugend geht oft einiges schief. Oft flüchten sie aus dem Elternhaus – vor Gewalt, totaler Vernachlässigung, Alleingelassensein und Missbrauch.

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In der Entwicklung junger Menschen gibt es drei Krisenpunkte, die für ihr weiteres Leben sehr wichtig sind: die Zeit nach der Geburt, die Trotzphase und die Pubertät. Geht da etwas schief, können die Folgen das weitere Leben überschatten – und es geht häufig etwas schief.
Zuwendung. "Nach der Geburt braucht das Neugeborene die Gewissheit, auf der Welt willkommen zu sein", sagt die Psychoanalytikerin Jutta Menschik. Körperliche Wärme, Zuwendung, vertraute Stimmen tragen dazu bei; es entsteht Urvertrauen, körperliches und seelisches Wachstum werden gefördert. Der kleine Mensch macht gute Erfahrungen, die helfen ihm später, sich selbst Gutes zu tun.
Keine guten Erfahrungen. Fast alle Jugendlichen, die bei uns in der Justizanstalt gelandet sind, sind als Kinder aus ihrem Elternhaus geflüchtet – vor Gewalt, totaler Vernachlässigung, Alleingelassensein, Missbrauch", sagt Peter Bevc, Leiter der Justizanstalt Klagenfurt. Für sie gibt es keine "guten Erfahrungen", an die sie anknüpfen können. Sie haben kein Urvertrauen und sich nie willkommen gefühlt.
Reizüberflutung. Zweiter Krisenpunkt: die Trotzphase. Kinder werden autonomer, sie widersetzen sich, lernen "Nein" zu sagen. Für Eltern oder andere Bezugspersonen wird das zur Gratwanderung: Sie sollen das Kind bestärken und akzeptieren, ihm aber zugleich soziale Regeln vermitteln. Setzen sich überforderte Eltern nicht mit ihrem Kind auseinander, wird es nervös, unzufrieden, hektisch; es findet sich in dem großen neuen Raum nicht zurecht. Bei Reizüberflutung – etwa durch Fernsehen – lernt das Kind nicht, sich zu konzentrieren; es bringt nichts zu Ende, fängt stets Neues an und verwirft es wieder. Und es erfährt, dass Reden sinnlos ist.
Fehler. "Wenn Jugendliche zu uns in die Anstalt kommen, machen sie erst einmal dicht. Es kann zwei Monate dauern, bis sie anfangen, sich zu öffnen", sagt Bevc. Warum, erfährt er manchmal bei der Weihnachtsfeier, zu der seit drei Jahren auch die Angehörigen der Häftlinge eingeladen werden. "Ein 15-Jähriger hat sich riesig auf seine Mutter gefreut, die versprochen hat zu kommen. Dann war er der Einzige ohne Besuch. Ich ließ ihn mit meinem Handy die Mutter anrufen, und die sagte ,Ich kann nicht kommen, ich muss daheim aufpassen, dass deine Schwester den Weihnachtsbaum nicht zu früh sieht." Von einem Vater dachte Bevc, dass er sich um sein Kind kümmert, doch bei der Weihnachtsfeier in der Justizanstalt hat er nur davon geredet, was der Sohn für Fehler gemacht hat und wie missraten er ist. Bevc: "Da gab es kein einziges liebes Wort. Die Kinder und Jugendlichen erfahren, dass alles andere wichtiger ist als sie. Die sind nicht umsonst bei uns."









