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Zuletzt aktualisiert: 19.11.2008 um 13:34 UhrKommentare

Erstmals Luftröhre verpflanzt

Mit einer stammzell- maßgeschneiderten Luftröhre rettete ein europäisches Ärzteteam das Leben einer jungen Frau.

Claudia Castillos linke Hauptbronchie kollabierte nach einer schweren Tuberkuloseinfektion

Foto © APClaudia Castillos linke Hauptbronchie kollabierte nach einer schweren Tuberkuloseinfektion

Mit einem weltweit einzigartigen Eingriff hat ein europäisches Ärzteteam das Leben einer jungen Mutter aus Barcelona gerettet: Die Mediziner verpflanzten der schwer kranken 30-Jährigen ein Stück maßgeschneiderte Luftröhre, das zuvor mit ihren körpereigenen Zellen besiedelt worden war, um eine Abstoßung zu vermeiden.

Verlust eines Lungenflügels erspart. Damit ersparten die Ärzte der jungen Frau den Verlust eines Lungenflügels. Vier Monate nach der Operation sei die Patientin bei guter Gesundheit, berichtete die Universitätsklinik Barcelona am Mittwoch. Sie könne wieder Stiegen steigen, 500 Meter ohne Pause gehen und sich um ihre beiden Kinder kümmern.

Odyssee von Arzt zu Arzt. Claudia Lorena Castillo Sanchez war nach Darstellung der Klinik jahrelang mit schweren Atemwegproblemen von Arzt zu Arzt gewandert. An der Universitätsklinik Barcelona wurde schließlich erkannt, dass ihre linke Hauptbronchie, die von der Gabelung der Luftröhre zum linken Lungenflügel führt, infolge einer schweren Tuberkuloseinfektion kollabiert war. Im März hatte sich der Zustand der gebürtigen Kolumbianerin so sehr verschlechtert, dass ein Eingriff unumgänglich wurde. Die einzige konventionelle Option hätte jedoch in der Entfernung des gesamten linken Lungenflügels bestanden, was Lebenserwartung und -qualität gravierend reduziert.

Neue Methode. Versuche, ein Stück Luftröhre zu transplantieren, waren bisher auf schwerwiegende Komplikationen wie lebensgefährliche Infektionen, tödliche Blutungen oder das Absterben des Transplantats gestoßen. Die Ärzte versuchten daher einen anderen Weg: Mediziner im italienischen Padua entfernten mit einem neuartigen Prozess von einem sieben Zentimeter langen Stück Luftröhre alle Zellen des 51-jährigen Spenders, der an einer Hirnblutung gestorben war. Nach sechs Wochen war nur noch das Gerüst übrig. Dieses Gerüst besiedelten Mailänder Kollegen in einem neuartigen Bioreaktor mit Knorpelzellen, die Ärzte im britischen Bristol aus Knochenmarkstammzellen der Patientin gezüchtet hatten. Die Innenwand kleideten sie mit sogenannten Epithelzellen aus einem gesunden Stück Luftröhre der Frau aus. Dieses maßgeschneiderte Implantat setzten die Ärzte in Barcelona im Juni schließlich der jungen Frau ein.

Bereits aus Spital entlassen. Bereits zehn Tage nach der Operation konnte Claudia Castillo die Klinik verlassen, nach 30 Tagen hatte das Implantat eine eigene Blutversorgung gebildet. Auch vier Monate nach dem Eingriff funktioniert das Implantat ohne Komplikationen, die Patientin hat weder Antikörper gegen das Spendergewebe, noch muss sie Medikamente nehmen, die das Immunsystem unterdrücken. Der Eingriff wecke die Hoffnung, dass sich auf diese Weise auch andere Patienten mit schwersten Atemwegproblemen behandeln ließen, schreiben die Ärzte im britischen Medizinjournal "The Lancet" (online vorab), in dem sie den Fall schildern.


Medizinischer Meilenstein

"Wir halten diese erste Erfahrung für einen medizinischen Meilenstein und hoffen, dass sie die Tür zu sicheren, maßgeschneiderten Luftwege-Transplantationen für Erwachsene und Kinder aufstößt", urteilen die Autoren des Fachartikels.

Foto

Foto © AP

Bild vergrößernClaudia Castillo geht es mehrere Monate nach der Operation wieder gut Foto © AP

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