Geiseldrama: Jörg Haider war Vermittler
Beim Bemühen um Befreiung der Sahara Geiseln ließ Jörg Haider seine Beziehungen zu Libyen spielen. Entscheidende Verhandlung führte aber der Präsident von Mali.

Foto © APAHaider war mit Gaddafi eng befreundet
Ein unbeschwerter Urlaub wurde für die Halleiner Andrea Kloiber und Wolfgang Ebner im Feber zum Albtraum. Das Paar wurde im Süden Tunesiens von Tuareg-Rebellen gekidnappt und quer durch die Sahara nach Mali verschleppt. Nach Monaten zäher Verhandlungen kamen die Österreicher am 31. Oktober endlich frei.
Kontakte. Welche Rolle spielte der inzwischen verstorbene Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider bei der Befreiung? "Er hat im März eine E-Mail an Saif al Islam Gaddafi, den Sohn des libyschen Staatschefs, geschickt und am folgenden Tag ein langes Telefongespräch mit ihm geführt. Saif und Jörg waren eng miteinander befreundet", erinnert sich Haiders damaliger Pressesprecher Karl Heinz Petritz.
Treffen mit Gaddafi-Sohn. Die Gespräche wurden Anfang August fortgesetzt, als Saif al Islam Gaddafi bei seinem Urlaub in Kärnten mit Jörg Haider zusammentraf. "Er hat nur gesagt: We are on a good way. Über Lösegeld wurde nie geredet, auch nicht über Inhalte von Verhandlungen. Saif hat das nicht an die große Glocke gehängt", sagt Petritz.
Erwünschte Einmischung. Den Einsatz Haiders in dieser Causa bestätigt Peter Launsky-Tieffenthal, Sprecher im Außenministerium. "Bundeskanzler Alfred Gusenbauer hat mit Muammar al Gaddafi telefoniert, aber natürlich hat uns auch Jörg Haider seine Kontakte zur Verfügung gestellt", sagt Launsky-Tieffenthal. Haider hat sich - wie böse Zungen zu wissen glaubten - übrigens nicht selbstherrlich eingemischt, sondern sein Bemühen war im Außenministerium erwünscht und willkommen. "Bei einer anderen Geiselnahme 2003 bestand zwischen Libyen und den Tuareg-Rebellen ein Naheverhältnis. Gadaffi hat damals zur Freilassung dieser Geiseln wesentlich beigetragen. Das wollten wir auch im Fall von Kloiber und Ebner nutzen, mussten aber erkennen, dass es hier keine Loyalität zwischen Libyen und den Tuareg gab. Daher konnte Libyen nicht entscheidend helfen. Das hat dann Malis Präsident Amadou Toumani Toure getan", fährt Launsky-Tieffenthal fort.
Keine Zahlung. Mehrere Zeitungen, darunter die algerische "Liberté", berichteten von Lösegeldzahlungen in der Höhe von drei bis fünf Millionen Euro aus der Gadaffi-Stiftung an die Geiselnehmer. Das wird von Launsky-Tieffenthal dementiert. "Sogar die Stiftung selbst hat inzwischen öffentlich Stellung bezogen und erklärt, dass kein Lösegeld geflossen ist."
Suche nach den Tätern. Während Kloiber und Ebner in Sicherheit sind, bemüht sich Mali um die strafrechtliche Verfolgung der Geiselnehmer. Die Identität der Haupttäter ist bekannt, schließlich waren sie auf etlichen Videos gemeinsam mit ihren Opfern unverhüllt zu sehen. "Außerdem wurde diese Identität von den Geiseln jetzt bestätigt", sagt der Sprecher des Außenministeriums.
Features
Chrinologie I
18. Feber. Andrea Kloiber und Wolfgang Ebner aus Hallein, die im Süden Tunesiens auf einer Wüstentour unterwegs sind, werden als vermisst gemeldet.
22. Feber. Es ist klar, dass die Österreicher Opfer einer Entführung und nach Mali verschleppt wurden.
10. März. Die Al Kaida bekennt sich zur Geiselnahme. Das Wiener Außenministerium richtet einen Krisenstab ein.
14. März. Bundeskanzler Alfred Gusenbauer telefoniert mit Libyens Staatschef Muammar al Gaddafi. Gleichzeitig stellt der inzwischen verstorbene Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider über Gaddafis Sohn, Saif al Islam Gaddafi, einen Kontakt zu dessen Vater her.
Chronologie II
Anfang Juni. Außenministerin Ursula Plassnik reist zu Gesprächen nach Algerien und Mali.
28. Juni. In Algier findet ein Treffen zwischen Vertretern der Tuareg-Rebellen und der Regierung Malis statt.
11. September. Gerüchte über Lösegeldzahlungen. Das Außenministerium dementiert.
31. Oktober. Andrea Kloiber und Wolfgang Ebner sind frei.










