Drogenbericht: Experten zeichnen gemischtes Bild
Bundesdrogenkoordinator Pietsch ist skeptisch, ob der Trend hält. Der Wiener Drogenkoordinator Dressel freut sich über den Rückgang der Todesfälle, gibt aber zu bedenken, dass der Konsum von Cannabis und anderen Substanzen steigt.

Foto © APADrogenkonsum in Österreich ist stabil.
Der neue Österreichische Drogenbericht mit den Daten
aus dem Jahr 2007 hinterlässt bei führenden Experten ein gemischtes
Bild. Einerseits zeigte man sich erfreut,
dass die Zahl der Drogentoten erstmals nach Jahren gesunken ist,
anderseits wird betont, dass man wachsam bleiben müsste. Dies
erklärten Bundesdrogenkoordinator Franz Pietsch und der Wiener
Drogenkoordinator Michael Dressel.
Trend beobachten.
"Wir haben zum ersten Mal seit Jahren eine rückläufige Tendenz bei
den Drogentoten. Ihre Zahl ist bis 2006 kontinuierlich angestiegen.
Man wird sehen, ob dieser Trend halten wird", sagte der
Bundesdrogenkoordinator Franz Pietsch (Gesundheitsministerium), auch
Vorstandsmitglied der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und
Drogensucht (EBDD/Lissabon), die heute, Donnerstagvormittag, ihren
Jahresbericht (Zahlen: 2006) in Brüssel vorstellt.
Stabile Situation.
Insgesamt sei die Situation ziemlich stabil. Pietsch: "Wir können
von einer Stabilisierung beim problematischen bzw. i.v.-Drogenkonsum
(Injizieren von Opiaten, Anm.) ausgehen, vielleicht von einem kleinen
Rückgang. Wir haben einen hohen Anteil an Substitutionspatienten."
Die nun geltende neue Verordnung zur Drogensubstitution mit
strikteren Mitgaberegeln für die Ersatzpräparate (Methadon,
Buprenorphin, retardierte Morphine etc.) habe dazu geführt, dass der
Anteil der Substitutionspatienten mit kontrollierter Einnahme
gestiegen sei. Das habe sich aber nicht negativ auf die Zahl der
Substitutionspatienten (mittlerweile mehr als 10.000 in Österreich)
ausgewirkt: "Wir haben im vergangenen Jahr einen Anstieg dieser Zahl
um 20 Prozent registriert." Genaue aktuelle Zahlen werde es in
Zukunft mit Umstellung des Meldeverfahrens auf ein Online-System
geben.
Differenziertes Bild.
Wiens Drogenkoordinator Michael Dressel zeichnete ebenfalls ein
differenziertes Bild: "Es ist erfreulich, dass die Zahl der
Todesfälle rückgängig ist. Wir haben jetzt aber schon eine Studie
konzipiert, in der wir uns näher ansehen werden, was die Ursachen und
wie die Zusammenhänge sind, unter denen hier Menschen sterben. Es ist
nicht nur die (Drogen-)Substanz allein. Wir sind bei der
Drogensubstitution wesentlich weiter als viele Bundesländer und hier
sehr erfolgreich. Wir haben bei rund 7.000 Substitutionspatienten nur
200 bis 300, die problematisch damit umgehen."
Man müsse aber wachsam bleiben. Dressel: "Die Opiate scheinen
abnehmend zu sein oder zu stagnieren. Der Konsum von Cannabis und
anderen Substanzen ist aber nach wie vor im Steigen, nicht
exorbitant, aber im Steigen."










