Legendärer Flughafen Berlin-Tempelhof ist Geschichte
Am Berliner Flughafen Tempelhof sind am Donnerstag die letzten beiden Maschinen gestartet. Gegner der Schließung hatten bis zuletzt mit Transparenten auf dem Rollfeld gegen das Ende des ersten Verkehrsflughafens der Welt protestiert.

Foto © APAFeiern und völlern drinnen, trauern draußen
Um 23:55 Uhr hoben am Donnerstagabend ein sogenannter "Rosinenbomber" (DC3) und eine Junkers 52 mit dem Spitznamen "Tante Ju" ab. Damit endet der Flugbetrieb auf dem Areal, das vor 85 Jahren als erster Verkehrsflughafen der Welt eröffnet worden war. Gegner der Schließung hatten noch unmittelbar vor dem Start mit Transparenten auf dem Rollfeld gegen das Ende Tempelhofs und vor allem auch gegen Klaus Wowereit, den regierenden SPD-Bürgermeister von Berlin, protestiert.
"Ein Versager". Die Demonstranten bildeten ein Spalier und pfiffen alle Gäste, die
in das Gebäude schritten, lautstark aus. Die vorwiegend älteren Protestierenden trugen Plakate mit Aufschriften wie "Skandal" oder "Wowereit ist ein Versager". "Es ist unglaublich, was hier passiert", sagte Gisela Willuhn. "Politik geht über Sachverstand". Und dass dann drinnen die für die Schließung Verantwortlichen feierten, während die
Menschen, die durch den Flughafen überlebten, draußen ständen, setze dem Ganzen die Krone auf.
Trauriger Tag. Wowereit sagte, bei aller Wehmut müsse auch nach vorn geblickt werden. Im Oktober 2011 soll der neue Großflughafen Berlin Brandenburg International eröffnet werden. "Das ist die Zukunft", betonte Wowereit. Für das Gelände in Tempelhof böten sich mittelfristig große Chancen. An diesem Abend gebe es ein "emotional trauriges Gefühl", räumte Wowereit ein.
Gepäckbänder fürs Buffet. In dem historischen Gebäude saßen die geladenen Gäste aus Politik und Wirtschaft an weiß gedeckten Tischen. Die stillstehenden Gepäckbänder waren umfunktioniert und dienten dafür, das Buffet zu präsentieren. Es gab unter anderem Lachs in Orangen, französischen Hirschkeulenbraten in Calvados-Rahmsauce und Pariser Schokoladen-Tarte. Zur Unterhaltung spielte ein Swing-Dance-Orchester.
Das Ende. Der rot-rote Senat mit Wowereit an der Spitze hatte angesichts immer weiter sinkender Passagierzahlen und eines wachsenden Defizits das Ende des 1923 gegründeten Flughafens beschlossen. Ein Volksbegehren gegen diese Pläne war gescheitert. Die Schließungen von Tempelhof und später vom Flughafen Tegel sind nach einem
Gerichtsurteil die Voraussetzung für den Bau des neuen Großflughafens in Schönefeld.
Features
Fotoserie
1923-2008
Tempelhof war einmal der größte und modernste Flughafen der Welt:
1923 wurde er eingeweiht. Später flogen hier die Schönen und Reichen
ein, Marlene Dietrich, Zarah Leander oder Maria Callas, vor kurzem
noch Tom Cruise mit seiner Familie. Seine Gestalt mit dem monumentalen, 1,2 Kilometer langen Hauptge-
bäude erhielt Tempelhof erst in der Nazizeit zwischen 1936 und 1941. Tempelhof war
Mittelpunkt der Luft-
brücke, Stützpunkt des US-Militärs und galt als Tor zur freien Welt. Später geriet der Flughafen dann immer stärker in den Schatten von Tegel und Schönefeld.













