Ehemaliger Chef-Sängerknabe Walter Tautschnig gestorben
Er verstarb im Alter von 91 Jahren. Tautschnig hatte die Leitung des Wiener Chors von 1955 bis 1983 inne.
Der ehemalige Direktor der Wiener Sängerknaben,
Walter Tautschnig senior, ist am Samstag in Alter von 91 Jahren in
der Bundeshauptstadt verstorben. Das teilte das Büro des Knabenchors
in einer Aussendung mit. Tautschnig war vor einigen Tagen in der
U-Bahn gestürzt und hatte sich von den dabei erlittenen
Kopfverletzungen nicht mehr erholt, hieß es.
Ehrenpräsident. Tautschnig war von 1955 bis 1983 Direktor des Knabenchors gewesen
und hatte durch eine Ausweitung der Tourneen die wirtschaftliche und
künstlerische Unabhängigkeit des Vereins gesichert, dessen
Ehrenpräsident er bis zuletzt war.
Villacher. Geboren wurde Tautschnig am 14. Jänner 1917 in Villach. Nach vier
Jahren an der dortigen Volksschule begann bereits seine Verbindung zu
dem Chor in der Hauptstadt, als er selbst für vier Jahre zum
Sängerknaben wurde. Im Anschluss kehrte er nach Villach zurück, wo er
1935 maturierte. Für sein Studium der Rechtswissenschaften zog es ihn
aber wieder in die Bundeshauptstadt. Parallel dazu engagierte er sich
wieder bei den Sängerknaben, diesmal jedoch als Erzieher und
Reisebegleiter.
Beamtenlaufbahn. Nach Abschluss seiner Universitätsausbildung arbeitete Tautschnig
zunächst als Beamter in Klagenfurt. Während des Zweiten Weltkriegs
war er als Sanitäter in München tätig. Anschließend wurde der Jurist
Abteilungsleiter im Amt der Kärntner Landesregierung und Vorsitzender
der Grundverkehrslandeskommission für Kärnten.
Statuten. Nebenberuflich war er als Berater des damaligen Leiters der Wiener
Sängerknaben, Joseph Schnitt, tätig. Dieser hatte 1924 die
Institution wieder ins Leben gerufen, nachdem diese 1918 aufgelöst
worden war. Gemeinsam mit Schnitt erarbeitete Tautschnig Anfang der
1950er die Statuten für die Sängerknaben.
Leistungen. Nach dem Tod des Kollegen übernahm Tautschnig als Direktor selbst
die Leitung des Knabenchors. Tautschnig erhielt mehrere
Auszeichnungen, darunter 1962 das deutsche Verdienstkreuz I. Klasse
und 1976 das Große Silberne Ehrenzeichen der Republik Österreich.
Neben der Durchführung zahlreicher Tourneen erwirkte Tautschnig in
seiner Amtszeit unter anderem auch die Errichtung eines Schul- und
Internatsgebäudes in Wien sowie zweier Wohnhäuser für ehemalige
Sängerknaben und eines Erholungszentrums am Wörthersee. Als Hobby
führte Tautschnig bei den auf den Sängerknaben-Tourneen aufgeführten
kleinen Spielopern Regie.










