Pukanic-Mord: Erinnerung an die "montenegrinische Episode"
Kroatischer Journalist sorgte im Frühjahr 2001 durch eine Artikelreihe über Zigarettenschmuggel auf dem Balkan für Aufsehen.

Foto © APAPukanic ist tot
Der am Donnerstagabend in Zagreb
ermordete kroatische Journalist und Zeitungsverleger Ivo Pukanic
hatte vor Jahren mit einer Artikelreihe über die Zigarettenmafia auf
dem gesamten Balkan für großes Aufsehen gesorgt, vor allem in
Montenegro.
Vorwürfe.
Die Artikelserie wurde in der Zeitschrift "Nacional"
veröffentlicht. Darauf folgten mehrere Gerichtsverfahren gegen
Pukanic und die kroatische Zeitschrift, aber auch das
montenegrinische Oppositionsblatt "Dan", welches die Artikelreihe
übernahm. Pukanic warf in seinen Artikeln, unter anderem, dem damaligen
montenegrinischen Staatschef Milo Djukanovic vor, am
Zigarettenschmuggel von Montenegro nach Italien in Millionenhöhe
beteiligt gewesen zu sein. Djukanovic bestritt die Angaben vehement
und brachte sie mit seinen heimischen politischen Gegnern in
Verbindung.
Gute Beziehungen. Die Artikelreihe wurde inmitten der Diskussion über das später
abgehaltenen Unabhängigkeitsreferendum (2006) veröffentlicht.
Djukanovic reichte auch Schadenersatzklagen gegen "Nacional" und
"Dan" ein. Gute Beziehungen zur Spitze der Zigarettenschmuggler-Mafia auf dem
Balkan wurden von Pukanic auch dem damalige Premier Zoran Djindjic
nachgesagt. Gemeint war der in der Schweiz ansässige serbischer
Geschäftsmann Stanko Subotic Cane, der dem gerade ins Amt eingeführte
serbischen Premier im Frühjahr 2001 sein Privatflugzeug für eine
Auslandsreise zur Verfügung stellte. Djindjic bereute später
wiederholt öffentlich, das kompromittierende Angebot akzeptiert zu
haben.
Haftbefehl.
In Serbien wurde wegen Zigarettenschmuggels im Vorjahr ein
Haftbefehl für Subotic ausgestellt, der sich zur Zeit in Moskau
aufhalten soll. Der "Zigarettenmafia-Boss" auf dem Balkan hatte in
den 1980-er Jahren seine Berufslaufbahn als Schneider in einer
Ortschaft unweit Belgrads begonnen.
Ermordet.
Mehrere aus Montenegro stammende Akteure der Artikelreihe von
Pukanic sind unterdessen nicht mehr am Leben, stellte am heutigen
Freitag die Tageszeitung "Vijesti" fest. Bereits im Frühjahr 2001
wurde in der Adria-Stadt Budva ein von Pukanic als Mafia-Killer
bezeichneter lokaler Unterwelt-Angehöriger brutal ermordet.
Später ereilte dasselbe Schicksal auch seinen in Schweden lebenden
Verwandten. Der Chefredakteur der Tageszeitung "Dan" wurde im Mai
2004 vor dem Redaktionsgebäude ermordet. Die Tat wurde nie
aufgeklärt.
Features
"Wer ist der Nächste?"
Mit dem Anschlag auf Pukanic und Franjic sei "Terrorismus auf den Straßen Zagrebs" eingekehrt, erklärte Mesic in einer ersten Reaktion. Die kriminelle Unterwelt habe den Rechtsstaat mit noch nie dagewesenen Herausforderungen konfrontiert.












