Das Lavanttal versinkt in Äpfeln
Trotz Rekordernte müssen Bauern in den sauren Apfel beißen: Nur noch 3,5 Cent pro Kilo Äpfel und Aufnahme von Obst wurde gestoppt.

Foto © APADas Lavanttal geht über vor Äpfeln
Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, heißt es. Und im Obstparadies Lavanttal fallen die Äpfel heuer wie verrückt. Zur Freude der Bauern, möchte man meinen. Doch die Rekordernte hat nicht nur positive Seiten. So musste das Lagerhaus Lavanttal kürzlich einen Aufnahmestopp verhängen, es wurden keine Äpfel mehr angenommen. Die Landwirte sprechen von einer "dramatischen Situation", denn auch die Preise rasseln in den Keller.
Lebensmittelgeschäft
Obstabteilung. Berthold Radl, Leiter der Obstabteilung des Raiffeisen Lagerhauses in Wolfsberg, bestätigt diese Aussagen: "Von der Verarbeitungsindustrie wurden unsere Lieferkontingente letzte Woche kurzfristig stark gekürzt. Um zu verhindern, dass sich über das Wochenende Obstberge anhäufen, mussten wir aus Qualitätsgründen die Aufnahme stoppen." In den vergangenen Tagen hat sich die Situation wieder etwas entspannt. Jeder Bauer, der sich vorab anmeldet, kann seine Äpfel auch verkaufen.
Nur 3,5 Cent pri Kilo. Wurden letztes Jahr noch 25 Cent für ein Kilo Äpfel ausbezahlt, bekommt man jetzt nur noch 3,5 Cent! "Wir haben bisher vier Millionen KiloÄpfel angenommen, eine Million davon verarbeiten wir selbst, den Rest müssen wir am österreichischen oder deutschen Markt unterbringen", sagt Radl. Da aber Länder wie Polen und Tschechien heuer ebenfalls Rekordmengen auf den Markt bringen, finden die heimischen Äpfel nur zu Billigstpreisen einen Abnehmer.
Niedrige Preise. Auch Altbauer Anton Errath aus Pichling bei St. Andrä ärgert sich über die niedrigen Preise. Für den Verfall sieht er zwei Gründe: "Zum einen ist das die Rekordernte, zum anderen die Wirtschaftskrise. Die Abnehmer wollen nicht mehr im Voraus kaufen. Sie sind vorsichtiger geworden", sagt Errath, der bereits seit 60 Jahren Äpfel erntet.
Überteuerte Preise im Supermarkt. Er sieht die Zukunft der Apfelbauern auch durch das moderne Konsumverhalten bedroht. "Anstatt direkt beim Bauern, kaufen die Leute ihre Äpfel zu überteuerten Preisen im Supermarkt", kritisiert Errath. Ob sich für ihn die Apfelernte noch auszahlt? "Ich sammle die Äpfel schon noch ein, aber die jungen Bauern bücken sich nicht mehr für die paar Euro."
Schleuderpreise. Auch Maria Leitner, Apfelbäuerin aus Unterleidenberg bei Wolfsberg, kritisiert die Schleuderpreise für heimische Äpfel. "Wir haben in Österreich ein akutes Verteilungsproblem. Es kann nicht sein, dass in Supermarktketten Äpfel aus Chile und Südafrika angeboten werden, während wir im Obst ersticken", sagt Leitner.











