"Wollte mit der Anzeige anderen Kindern helfen"
61-Jähriger hat auf Campingplatz "komische" SMS an Kinder geschickt. Keine Reaktion auf Anzeige. Staatsanwalt: "Keine sexuelle Belästigung."
Der Deutsche Reinhard H., der sich auf den Philippinen einem Verfahren wegen Kindermissbrauchs in elf Fällen entzogen hat, hat in Klagenfurt bis Dienstag als Schülerlotse gearbeitet. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" rollt die mutmaßlichen Taten des 61-Jährigen auf (wir berichteten). Seine Flucht führte Reinhard H. 2006 nach Kärnten, wo er sich als Beschäftigter eines Campingplatzes in Keutschach durch SMS verdächtig gemacht hat, die er Kindern von Gästen geschickt hat. Sein Chef Roland K. erstattete im Februar Anzeige bei der Polizei. Passiert ist nichts.
Verfahren eingestellt."Bis heute hat sich niemand bei mir gemeldet. Nicht einmal, nachdem der Bericht im Spiegel erschienen ist", sagt Roland K. zur Kleinen Zeitung. Er habe die Anzeige in der Hoffnung erstattet, damit "anderen Kindern zu helfen". Warum also hat damals niemand etwas unternommen? Warum konnte der Mann ungehindert als Schülerlotse in Klagenfurt tätig sein? "Es ist eine Anzeige an die Staatsanwaltschaft gegangen", sagt Oberst Christian Martinz vom Landeskriminalamt. "Das ist richtig", bestätigt Helmut Jamnig, Sprecher der Staatsanwaltschaft Klagenfurt. Ende Februar sei das Verfahren dann aber eingestellt worden. "Offenbar war der Tatbestand der sexuellen Belästigung nicht erfüllt", sagt Jamnig. Wenn jemand "bloß" SMS schreibe, sei das "keine geschlechtliche Handlung".
Bussi vom 61-Jährigen. Geschrieben hat der 61-Jährige die SMS laut Roland K. an zwei Mädchen, die sich gemeinsam mit ihren Großeltern auf dem Campingplatz aufgehalten haben. "Die Großeltern haben mich alarmiert", sagt K. Er habe die SMS dann auf seinem Computer gespeichert und sofort an die Polizei weitergeleitet. Unter anderem soll der Deutsche laut "Spiegel" an eines der Mädchen geschrieben haben "Ein Bussi von mir und schlaf gut".
Von Polizei "überprüft".Die Staatsanwaltschaft Klagenfurt hat dem Beschuldigten laut Jamnig "eine Rechtsbelehrung" zukommen lassen. Im Strafregister wird so etwas aber nicht vermerkt. Weshalb Reinhard H. mit "weißer Weste" als Schülerlotse arbeiten konnte. Die Stadt Klagenfurt, die die Schülerlotsen einstellt, treffe deshalb keine Schuld, so Personalreferent Peter Steinkellner. Die Lotsen würden außerdem "von der Polizei überprüft und eingeschult".










