Keine Flugrettung mehr: ÖAMTC kündigt Verträge mit der Republik
Alle neun Standorte des ÖAMTC sind betroffen.

Foto © APAÖAMTC kündigt Verträge mit der Republik
Dem ÖAMTC reicht es: Der Autofahrerclub hat am
Dienstag bekanntgegeben, dass er seine Flugrettungsverträge mit der
Republik kündigt. Konkret geht es um die neun Standorte, die der Club
2001 übernommen hat - vom Innenministerium, das seither keine eigene
Flugrettung mehr betreibt. Beklagt werden vom ÖAMTC die zu niedrige
Aufwandspauschale und die steigende Anzahl der Flüge, die im
Nachhinein von der Sozialversicherung nicht bezahlt werden. Ende 2010
laufen die Verträge aus, bis dorthin werde man den Dienst
aufrechterhalten, betonte Präsident Werner Kraus bei einer
Pressekonferenz am Dienstag in Wien. Das Innenministerium sprach von
einer "eigenartigen Vorgehensweise", wie es aus dem Ministerbüro
hieß.
Steigende Einsatzkosten.
Grund für den Schritt sind die steigenden Einsatzkosten, denen
eine zu niedrige Aufwandspauschale gegenüber steht. Durchschnittlich
koste ein Flug 2.000 Euro, von den Krankenkassen bekomme der Club
jedoch nur die Hälfte, so Generalsekretär Hans Peter Halouska.
Zusätzlich falle man um immer mehr Flüge finanziell um. Angefordert
wird der Hubschrauber von Leitstellen, die völlig unabhängig vom
ÖAMTC agieren, beklagte er. "Monate später entscheidet dann eine
dritte Stelle, meistens die Krankenkasse, ob der Einsatz nötig war."
Bereits ein Drittel der Flüge werde nach dieser Beurteilung nicht
mehr bezahlt.
Abgang von 4,5 Mio. Euro.
Für heuer erwartet der Club im Bereich der Flugrettung einen
Abgang von 4,5 Millionen Euro, "die aus dem ÖAMTC-Budget gedeckt
werden müssen", kritisierte Kraus. "Unter den derzeitigen
Rahmenbedingungen ist es für den ÖAMTC als Verein nicht mehr
finanzierbar." Bereits seit zwei Jahren weise man auf das Problem hin
und führe auch Gespräche mit den Entscheidungsträgern. Betroffen sind
die Standorte Wien, Linz, Salzburg, Klagenfurt, Graz, Niederöblarn,
Lienz, Nenzing und Innsbruck, die vor 2001 vom Innenministerium
betrieben worden waren.
Verträge.
Die übrigen Christophorus-Flugrettungsstandorte werden weiter vom
ÖAMTC versorgt. Mit den Ländern Niederösterreich, dem Burgenland und
Oberösterreich gebe es entsprechende Verträge, die für den ÖAMTC eine
zufriedenstellende finanzielle Basis bieten, wie Kraus erläuterte.
Zur Finanzierung der Flugrettung schlug Verfassungsrechtler Heinz
Mayer auf der Pressekonferenz eine Fonds-Lösung vor, an der sich
Bund, Länder, Sozialversicherungsträger und private Versicherer
beteiligen sollen. Dieser solle durch ein Bundesgesetz geschaffen
werden.
Neuausschreibung.
Sollte sich der Bund für eine Neuausschreibung entscheiden, würde
sich der ÖAMTC beteiligen, betonte Kraus. "Wir wollen weiterfliegen."
Diese müsse aber bundesweit gemacht werden, forderte er.
Gespräche.
Das Innenministerium betonte, dass es zu dem Thema laufende
Gespräche gebe. Die Probleme des ÖAMTC seien bekannt und würden im
wesentlichen in der Frage der wirtschaftlichen Betriebsführung unter
den gegebenen Verrechnungsmodalitäten zwischen Club und Krankenkassen
liegen. Der Vorarlberger Landeshauptmann Herbert Sausgruber (V) hofft
auf eine Fortsetzung der Partnerschaft der Republik mit dem ÖAMTC und
der BZÖ-Abgeordnete Gernot Darmann sprach von einem Armutszeugnis für
die Regierung.
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Die Verträge werden noch bis Ende 2010 erfüllt, betonte Kraus. Den heuer prognostizierten Abgang für die Flugrettung bezifferte der Präsident mit 4,5 Millionen Euro.
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