Türkei: Schwere Foltervorwürfe gegen Polizeibeamte
Polizeibeamte sollen in Istanbul einen 29-Jährigen auf der Wachstation und anschließend in der Zelle zu Tode geprügelt haben. Das Opfer starb an Gehirnblutungen.

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Es ist eine Geschichte, die in der Türkei dank
der EU-Reformen der letzten Jahre eigentlich zur Vergangenheit
gehören sollte. Ein junger Mann wird von der Polizei festgenommen.
Auf der Wache und auch später im Gefängnis wird er nach Angaben
seines Anwaltes schwer gefoltert. Wenig später stirbt er an
Gehirnblutung.
Null-Toleranz-Politik.
Das Schicksal des 29-jährigen Engin Ceber, der vor zwei Tagen
seinen Verletzungen erlag, bestärkt Menschenrechtler in ihrer
Ansicht, dass die türkischen Sicherheitskräfte trotz der offiziellen
"Null-Toleranz-Politik" gegen Folter wieder freie Hand für
Brutalitäten genießen. Amnesty International (AI) fordert eine
Bestrafung der Beamten, die Engins Tod verschuldeten. Die Regierung
in Ankara verspricht eine Untersuchung, doch die Erfahrung zeigt,
dass gewalttätige Beamte kaum etwas zu befürchten haben.
Linkes Magazin verteilt.
Ende September hatte hatte Ceber zusammen mit einigen Freunden im
Istanbuler Stadtteil Istinye das linksgerichtete Magazin "Yürüyüs"
(Der Marsch) verteilt und gegen den Tod eines Mitstreiters
protestiert, der vor einem Jahr unter ungeklärten Umständen von der
Polizei erschossen worden war. Ceber und die anderen Aktivisten
wurden festgenommen - warum, ist unklar: "Yürüyüs" ist zwar links,
aber nicht verboten.
Prügel.
Nach Angaben von Anwälten wurden die Festgenommenen auf der
Polizeiwache mit Holzknüppeln verprügelt. Ein Richter erließ
Haftbefehl wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt. In der
Untersuchungshaft in einer Einzelzelle im Istanbuler Metris-Gefängnis
soll Ceber weiter gefoltert worden sein. Am vergangenen Freitag wurde
er mit schweren Hirnblutungen in ein Krankenhaus gebracht, wo er
wenig später starb. Cebers Freunde Özgür Karakaya und Cihat Gün
befinden sich weiterhin in Haft - auch sie berichteten laut Amnesty
International von tagelangen Schlägen und Tritten.
Keine Konsequenzen.
Das Justizministerium in Ankara ordnete nach Cebers Tod eine
Untersuchung an. Staatspräsident Abdullah Gül schaltete sich
ebenfalls ein und erklärte, in dem Fall dürfe nichts vertuscht
werden. Es müsse alles dafür getan werden, dass sich so etwas nicht
wiederhole. Doch der Anwalt des Getöteten hat Zweifel daran, dass die
beteiligten Staatsdiener mit ernsten Konsequenzen rechnen müssen. So
würden der Direktor des Metris-Gefängnisses und die für Ceber
zuständigen Wärter nicht als mutmaßliche Täter vernommen, sondern
lediglich als Zeugen. Alle Beamten seien zudem weiter im Dienst,
sagte Anwalt Taylan Tanay der Zeitung "Milliyet".
Auch Cebers Vater Ali traut den türkischen Behörden nicht. Die
Regierung lege zwar immer wieder Lippenbekenntnisse zum
EU-Reformprozess ab, unternehme aber nichts gegen die Folter, sagte
er der Zeitung "Vatan". Notfalls werde er bis zum Europäischen
Menschenrechtsgericht in Straßburg gehen, um eine Bestrafung der
Schuldigen durchzusetzen.










