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    Zuletzt aktualisiert: 12.10.2008 um 12:27 Uhr

    Türkei: Schwere Foltervorwürfe gegen Polizeibeamte

    Polizeibeamte sollen in Istanbul einen 29-Jährigen auf der Wachstation und anschließend in der Zelle zu Tode geprügelt haben. Das Opfer starb an Gehirnblutungen.

    Foto © AP

    Es ist eine Geschichte, die in der Türkei dank der EU-Reformen der letzten Jahre eigentlich zur Vergangenheit gehören sollte. Ein junger Mann wird von der Polizei festgenommen. Auf der Wache und auch später im Gefängnis wird er nach Angaben seines Anwaltes schwer gefoltert. Wenig später stirbt er an Gehirnblutung.

    Null-Toleranz-Politik. Das Schicksal des 29-jährigen Engin Ceber, der vor zwei Tagen seinen Verletzungen erlag, bestärkt Menschenrechtler in ihrer Ansicht, dass die türkischen Sicherheitskräfte trotz der offiziellen "Null-Toleranz-Politik" gegen Folter wieder freie Hand für Brutalitäten genießen. Amnesty International (AI) fordert eine Bestrafung der Beamten, die Engins Tod verschuldeten. Die Regierung in Ankara verspricht eine Untersuchung, doch die Erfahrung zeigt, dass gewalttätige Beamte kaum etwas zu befürchten haben.

    Linkes Magazin verteilt. Ende September hatte hatte Ceber zusammen mit einigen Freunden im Istanbuler Stadtteil Istinye das linksgerichtete Magazin "Yürüyüs" (Der Marsch) verteilt und gegen den Tod eines Mitstreiters protestiert, der vor einem Jahr unter ungeklärten Umständen von der Polizei erschossen worden war. Ceber und die anderen Aktivisten wurden festgenommen - warum, ist unklar: "Yürüyüs" ist zwar links, aber nicht verboten.

    Prügel. Nach Angaben von Anwälten wurden die Festgenommenen auf der Polizeiwache mit Holzknüppeln verprügelt. Ein Richter erließ Haftbefehl wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt. In der Untersuchungshaft in einer Einzelzelle im Istanbuler Metris-Gefängnis soll Ceber weiter gefoltert worden sein. Am vergangenen Freitag wurde er mit schweren Hirnblutungen in ein Krankenhaus gebracht, wo er wenig später starb. Cebers Freunde Özgür Karakaya und Cihat Gün befinden sich weiterhin in Haft - auch sie berichteten laut Amnesty International von tagelangen Schlägen und Tritten.

    Keine Konsequenzen. Das Justizministerium in Ankara ordnete nach Cebers Tod eine Untersuchung an. Staatspräsident Abdullah Gül schaltete sich ebenfalls ein und erklärte, in dem Fall dürfe nichts vertuscht werden. Es müsse alles dafür getan werden, dass sich so etwas nicht wiederhole. Doch der Anwalt des Getöteten hat Zweifel daran, dass die beteiligten Staatsdiener mit ernsten Konsequenzen rechnen müssen. So würden der Direktor des Metris-Gefängnisses und die für Ceber zuständigen Wärter nicht als mutmaßliche Täter vernommen, sondern lediglich als Zeugen. Alle Beamten seien zudem weiter im Dienst, sagte Anwalt Taylan Tanay der Zeitung "Milliyet".

    Auch Cebers Vater Ali traut den türkischen Behörden nicht. Die Regierung lege zwar immer wieder Lippenbekenntnisse zum EU-Reformprozess ab, unternehme aber nichts gegen die Folter, sagte er der Zeitung "Vatan". Notfalls werde er bis zum Europäischen Menschenrechtsgericht in Straßburg gehen, um eine Bestrafung der Schuldigen durchzusetzen.


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