Saunabesitzer geraten nach Urteil ins Schwitzen
Ist Formaldehyd-Belastung in manchen Saunen gesundheitsgefährdend hoch? In Kärnten landete Fall vor Gericht. Jetzt wird überall gemessen.

Foto © APANicht alle Saunabesitzer müssen ihre Kabinen entfernen
Seit Wochen beschäftigt sich der Arbeitskreis Innenraumluft im Innenministerium in Wien mit einer durchaus brisanten Frage: Ist die Belastung durch Formaldehyd - einem farblosen Reizgas - in vielen öffentlichen Saunen zu hoch? "Ausgelöst wurde die aktuelle Diskussion durch einen Fall in Kärnten, der gerichtsanhängig ist", sagt Peter Tappler, Leiter des Arbeitskreises Innenraumluft im Innenministerium und Gerichtssachverständiger.
Probleme mit Atemwegen. Ein Saunabesucher habe den Kärntner Saunabesitzer aufgrund von Beeinträchtigungen verklagt. "Durch erhöhte Konzentration von Formaldehyd kann es zu Schleimhaut- und Augenreizungen und Problemen mit den Atemwegen kommen", sagt Elisabeth Oberleitner, Umweltmedizinerin des Landes. Befürchtungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Formaldehyd in hoher Konzentration sei krebserregend, hätten sich jedoch bisher nicht bestätigt.
Spanplatten statt Vollholz. "Der Richtwert der WHO liegt bei 0,1 Milligramm Formaldehyd pro Kubikmeter Innenraumluft", sagt Oberleitner. Ein Wert, der in manchen Saunen überschritten werde. Viele seien mit verleimten Spanplatten anstatt Vollholz errichtet worden. Und diese würden bei hohen Temperaturen Formaldehyd in den Innenraum abgeben.
Messungen. "Wir führen aktuell Messungen in Saunen in Kärnten durch - auch in Hotels", sagt Tappler. Solche mit hohen Werten müssten "identifiziert und entfernt werden". "Einige Besitzer kleinerer Saunen machen sich jetzt Sorgen, dass sie alles herausreißen müssen", bestätigt Oberleitner.
Hohe Belastung. Ein betroffener Kärntner Hotelier hat sich jetzt in der Redaktion der Kleinen Zeitung gemeldet: "Ich habe eine neue Sauna nach drei Monaten wieder herausreißen müssen, weil bei den Gästen gesundheitliche Probleme aufgetreten sind. Bei Messungen hatte sich herausgestellt, dass die Formaldehyd-Belastung zu hoch war."
Belüftung verbessern. "Ein bisschen Formaldehyd ist kein Problem", sagt Tappler, der Leiter des Arbeitskreises Innenraumluft im Ministerium. Es komme - so der Experte - auf die Konzentration an. Bei manchen Saunen würde es auch reichen, die Belüftung entsprechend zu verbessern.










