Asylwerber-Heim in Einöde sorgt für Wirbel
Griffener Bürgermeister wehrt sich gegen die Heimlichkeit, mit der Land und Betreiber eine Asylanten-Pension mitten im Wald errichten wollen.
Die Spieler des SK Austria Kärnten brauchen sich keine Sorgen zu machen, dass sie mit ihrem Reisebus in der Einöde hängen bleiben könnten. Der mit zehn Asylwerbern besetzte Bus schaffte es nämlich am 1. Oktober gegen 15.15 Uhr, an einem Ort anzukommen, dessen Wegbeschreibung Griffens Bürgermeister Josef Müller so formuliert: "Am Packsattel links Richtung Pustritz, vor Pustritz links die steile Steigung hoch und wo nach zehn Kilometern die Asphaltstraße aufhört, dem Schotterweg in den Wald folgen. Das Navi-Gerät weiß, wo Wölfnitz ist."
Aber wen interessiert das? Viele! Zum Beispiel eben den Bürgermeister, der sauer ist auf das Landes-Flüchtlingsabteilung, die AVS und die neuen Besitzer. Müller: "Wir wurden für Mittwoch zu einer Gewerberechtsverhandlung vor Ort eingeladen. Es ging um das frühere AVS-Kinderheim in 1200 Meter Seehöhe, wo ein junger Mann eine Fremdenpension mit 51 Betten und 74 Gastronomieplätzen errichten will." Weil der Bewerber der Sohn einer Frau ist, die bereits ein Asylantenheim betreibt, kam der Verdacht auf, das neue Heim könnte ebenfalls diesem Zweck dienen. Müller: "Wir haben die Flüchtlingsabteilung, die AVS und die Betreiber gefragt, was genau geplant sei. Niemand hat uns geantwortet."
"Ausgetrickst". Das war um 15.15 Uhr - mitten in der Gewerberechtsverhandlung - nicht mehr nötig, denn da kam der Bus mit den Asylwerbern. Drei Männer blieben da, die anderen wollten wieder weg. Müller vorwurfsvoll: "Land und Bezirkshauptmannschaft haben uns ausgetrickst und sind über uns drübergefahren. Das ist an uns vorbeigeschoben worden."
Infrastrukturprobleme. Er sieht haufenweise Probleme - für die Wassergenossenschaft, die nicht genug Wasser für eine Großpension mit Ganzjahresbetrieb hat und rechtliche Schritte vorbereitet, für die Infrastruktur, den Winterdienst, für die einklassige Volksschule in Pustritz, die Kinder von Asylwerbern aufnehmen müsste. "Wir fordern lückenlose Aufklärung - für uns und für die Bevölkerung!"
Besonderer Bedarf. Dazu ist der Flüchtlingsbeauftragte Gernot Steiner bereit - jetzt. "Vorher ging es nicht, weil der Landeshauptmann das Projekt erst Ende September bewilligt hat." Er sieht in dem Heim ein Österreich-weites Pilotprojekt für "Asylwerber mit besonderen Problemen und besonderem Betreuungsbedarf" - also Kranke, potenziell gewalttätige und oder traumatisierte Menschen. Dazu sollen Sozialarbeiter, Psychotherapeuten und Krankenschwestern angestellt werden, "dafür ist der Betreiber veranwortlich". Dazu wird der tägliche Pflegesatz von 17 auf 40 Euro pro Person erhöht. Bei vollem Haus brächte das monatliche Einnahmen von 61.200 Euro - minus die Ausgaben für Pension und Betreuung.










