Brauchtum als Zugpferd für den Tourismus
110 Heimatherbst-Veranstaltungen sollen nicht nur Einheimische unterhalten, sie sind auch ein Zugpferd für den Tourismus. Funktionierende Vorbilder: Niederösterreich und Salzburg.

Foto © KöstingerDie Röcke der Dirndl fliegen beim Tanz. Das Brauchtum lebt
Das Servierpersonal vom Gasthaus Loser rannte sich die Füße wund. Nach dem heimatherbstlichen Trachten-Festzug in St. Michael bei Bleiburg warteten über 600 hungrige Gäste g'lustrig auf ofenfrischen Schweinsbraten, Kärntner Nudeln und Schnitzerln. Bier und Spritzer flossen in Strömen. Der örtliche Bäckermeister Franz Haimburger, der Bauernkrapfen servierte, der Schützenverein, der Schnaps ausschenkte, die EL-Frauen (Enotna Lista) mit ihren selbst gebackenen Kuchen und die Südkärntner Dirndlschneiderin Erika Opetnik kamen beim Heimatherbst auf ihre Rechnung.
Sechste Staffel. Es ist bereits die sechste Heimatherbst-Staffel, die bis 18. Oktober ganz Kärnten mit Brauchtum beglückt. 110 Veranstaltungen in 66 Gemeinden, die bereits eine recht ordentliche wirtschaftliche Wertschöpfung haben. "Jede zweite Kärntner Gemeinde macht beim Heimatherbst mit", rechnet Klaus Tschaitschmann vom Brauchtumsreferat vor. Gemeinden wie Hermagor oder Seeboden haben sogar vier Veranstaltungen. 260.000 Menschen besuchten den Heimatherbst im Vorjahr, heuer dürfte die Zahl wegen des freundlichen Wetters noch getoppt werden.
Jury. Damit es auch schön authentisch bleibt, wacht darüber eine Jury. Pseudo-Veranstaltungen, die nichts mit echtem Kärntner Brauchtum zu tun haben, haben keine Chance, in den Kalender aufgenommen zu werden. "Bei einem Lederhosentreffen frage ich mich, ob das zum Heimatherbst gehört", so Tschaitschmann. 80 Veranstalter - Gemeinden oder Vereine - haben sich heuer beworben, 66 haben es geschafft. Immerhin gibt's die Werbung gratis. Etwa 300.000 Euro jährlich wendet das Brauchtumsreferat (Leiter Horst Moser und Organisator Klaus Tschaitschmann) für die Bewerbung auf. Tschaitschmann: "Wir sind noch nicht beim Törggelen oder beim Salzburger Bauernherbst angelangt, aber der Besucheransturm wird von Jahr zu Jahr größer."
Beispiel
Tourismus. Neben der Vergnügung für die Ortsansässigen sollte der Heimatherbst auch ein touristischer Motor werden. Einer, der sich besonders über die Herbstveranstaltungen freut, ist Tourismuswerber Werner Bilgram. "Die Gäste haben dadurch den Eindruck, dass in Kärnten im Herbst etwas geboten wird. Früher war nur tote Hose im Land." Die Kärnten Werbung nützt die Veranstaltungen bereits als Anstoß für buchbare Herbstangebote.
Genießer-Gast. 100 Heimatherbstbetriebe buhlen um den Genießer-Gast, der sich im Herbst eine entspannte Zeit auswählt. Geworben wird auf dem eigenen Themen-Channel www.heimatherbst.kaernten.at. Dazu kommt ein zwölfseitiger Heimatherbst-Beileger in österreichischen und deutschen Tageszeitungen, Reisebüro- und Wirtschafts-Kooperationen.
Lohn. Der Aufwand lohnt sich, wird doch der Herbst langsam zur dritten Saison. "Der Heimatherbst ist der Buchungs-Anstoß, ohne Veranstaltungen hätten wir es schwerer," glaubt Bilgram.
Nachsaison. 2007 zählte man in der Nachsaison (September und Oktober) 351.112 Ankünfte, vor drei Jahren waren es 336.746. Die schrumpfenden Nächtigungen - 2005 wurde 1.498.000 mal übernachtet, 2007 nur noch 1.467.000 mal - sind damit zu erklärten, dass die Zahl der Aufenthaltstage kontinuierlich zurück geht. Das ist aber ein österreichweites Problem, da können auch der beste Kärntner Chor und die Kindertanzgruppen nichts ausrichten. Doch ohne Tanz und Gaudi würde es noch trister aussehen.
Features
Vorreiter
Wo wird noch gefeiert?
21. 9.: Nockalmstraßenfest in Reichenau/Krems
27.und 28. 9.: Käsefestival in Kötschach-Mauthen
28. 9.: Erntedankfest in Bad Kleinkirchheim
3. 10.: Heimatherbst-Bauern-
markt in Himmelberg
5. 10.: Hochwildfest in Flattach
12. 10.: Kräuterstadl-Fest
18. 10.: Abschluss in Arnoldstein
Foto

Zirbenschnaps hausgemacht. Bei den Veranstaltungen gibt's Selbstgemachtes zu verkaufenFoto © Köstinger










