Springe zu: Inhalt | Hauptnavigation | Seitenleiste | Fußzeile
19. Juni 2013 05:50 Uhr | Als Startseite
Neu registrieren
Mure in Hallstatt verwüstet Marktplatz Offenbar doch kein Verbot von Slim-Zigaretten Voriger Artikel Aktuelle Artikel: Chronik Nächster Artikel Mure in Hallstatt verwüstet Marktplatz Offenbar doch kein Verbot von Slim-Zigaretten
Zuletzt aktualisiert: 20.09.2008 um 20:24 UhrKommentare

Die Angst der Bauern vor dem Sturm bleibt

Wirbelsturm Paula hat eine Spur der Zerstörung durch das Metnitztal gezogen. Trotz finanzieller Hilfe sind viele Bauern verzweifelt. Auch Aloisia Seiß kämpft mit ihrem Sohn um das wirtschaftliche Überleben.

Aloisia Seiß hofft trotz schwieriger Zeiten auf eine Zukunft am Hof

Foto © PhinoAloisia Seiß hofft trotz schwieriger Zeiten auf eine Zukunft am Hof

Zwei Metnitztaler Familien verloren heuer ihre Väter. Drei minderjährige Kinder wurden zur Halbwaisen. Die Bauern aus Vellach und Ingolsthal wurden späte Opfer von Wirbelsturm Paula, dessen Folgen sie beseitigen wollten.

Zehn tödliche Unfälle. Insgesamt kamen in Kärnten zehn Menschen bei Aufräumarbeiten in den von Paula heimgesuchten Regionen ums Leben. Die wirtschaftlichen Folgen für die betroffenen Familien sind enorm. Schätzungen gehen von einer Schadenssumme von mindestens 50 Millionen Euro in Kärnten aus. 2100 landwirtschaftliche Betriebe haben bislang Ansuchen um eine Forstförderung im Rahmen der Wiederaufforstung ihrer Wälder an das Land Kärnten gestellt.

Geld. "Dabei geht es um 26,6 Millionen Euro. 960 eingelangte Anträge wurden noch nicht bearbeitet. Primär betrifft das die Region Mölltal, wo es Gräben gibt die erst jetzt erschlossen werden, um sie dann sanieren zu können", sagt Agrarreferent Landesrat Josef Martinz. Zusätzlich wurde und wird geschädigten Waldbesitzern Geld aus dem Nothilfswerk überwiesen. "Wir in Metnitz machen das nach Einlangen der Anträge und Überprüfung der Angaben binnen drei Tagen, in jedem Fall aber möglichst schnell", sagt Bürgermeister Anton Engl Wurzer.

Vor dem Nichts. Er hat auch sonst geholfen, wo er konnte. Als der Vellacher Landwirt Rudolf Seiß ums Leben kam, stand dessen Familie vor dem Nichts. Zehn Hektar Wald am Boden, Sohn Patrick (21) sollte den Wehrdienst leisten. "Da haben der Bürgermeister und die Politik geholfen. Der Bub konnte am Hof bleiben und hier arbeiten. Als zweites Standbein neben der Mutterkuhhaltung arbeitet er nun beim Maschinenring. Er braucht ja Geld. Der Wald gibt nichts mehr her, verursacht aber viel Arbeit", sagt Aloisia Seiß. Sie hat noch keine Forstförderung erhalten, versteht auch den Grund: "Wir werden erst jetzt mit den Aufräumarbeiten fertig. Das Wetter hat uns immer wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht. Und es muss ja auch kontrolliert werden, ob die Auflagen erfüllt wurden, dann kommt das Geld. So ist es richtig, Ordnung muss eben sein", sagt die Bäuerin, die ihren Hof sobald wie möglich an Sohn Patrick übergeben will.

Nicht verloren. Patrick hat trotz des tragischen Todes seines Vaters die Freude am Bergbauerndasein nicht verloren. "Es hat ihm Mut gemacht, dass der Landeshauptmann persönlich da war, und mit ihm geredet hat. Es waren nicht nur die Schecks, die von Jörg Haider, Josef Martinz und Gaby Schaunig kamen, es war die Menschlichkeit aller, die weitergeholfen hat", sagt Seiß.

Spenden Privater. Auch das Tal ist zusammengerückt. Die Laientheatergruppe, der Lions-Club Friesach, die Frauenbewegung und Private spendeten für die Familien. Die rasche finanzielle Hilfe zur Überbrückung von Engpässen motiviert, weiterzumachen. Die Bauern können mittelfristig mit weiteren Überweisungen rechnen. Die Beihilfe kann bis zu 1000 Euro pro Hektar ausmachen. Das Geld kommt von EU, Land und Bund. Dazu kommen Gelder vom Nothilfswerk. Und das Land unterstützt bei der Aufforstung nach der Katastrophe. Viel Geld für die Waldbauern? Aloisia Seiß schüttelt den Kopf. "Nein. Der Wald war unsere Rückversicherung, unsere Sparkasse. Der Stall wäre zu sanieren, ebenso die Heizung im Haus. Früher haben wir das dafür notwendige Geld aus dem Wald geholt. Diese Rücklage ist weg, für mindestens zwei Generationen", sagt sie. Allein die Aufräumarbeiten würden rund 40.000 Euro ausmachen.

Tapfer und traurig. Die Witwe ist tapfer und traurig. Sie ist am Hof geboren, und will da bleiben. Sie ist so stolz auf ihren Sohn und hofft auf eine Zukunft am Hof. Irgendwann wird vielleicht eine Jungbäuerin zum Haus kommen, werden Enkel Leben auf den Hof zaubern. Die Angst vor dem Sturm wird aber wohl immer bleiben.

PHILIPP NOVAK

Foto

Foto © Phino

Patrick Seiß gibt den Bauernhof des Vaters nicht aufFoto © Phino

Foto

Foto © Phino

Schätzungen gehen von einer Schadenssumme von 50 Millionen Euro aus. Viele Bäume mussten gefällt werdenFoto © Phino

Hilfe für die Landwirte

Nothilfswerk: Die Abwicklung erfolgt über die Gemeinde. Ersetzt werden maximal 30 Prozent des Schadens.
Forstschutzbeihilfe: Ersetzt werden bis zu 1000 Euro pro Hektar. Die Abwicklung erfolgt über die Forstbehörden. Die Beihilfe ist aber an Mischwaldaufforstung gebunden.
Aufforstung: Setzpflanzen und Teile der Arbeit werden gefördert. Die Höhe ist noch unklar.

Foto

Foto © APA/Eggenberger

Gefährliche Aufräumarbeiten nach dem Sturm Paula. Zehn Menschen kamen bisher in den vom Strum betroffenen Regionen in Kärnten ums LebenFoto © APA/Eggenberger

Steiermark > Graz

Sonnig
Graz
min: 18° | max: 34°
7-Tagesprognose

Aktuelle Leser-Fotos

KLEINE.tv

Sonnenschutz-Tipps: Sonnenbad ohne Nachwehen

Nach einem langem Winter und einem regenreichen Frühling hat sich der So...Bewertet mit 5 Sternen

 




Fotoserien

Bienenvolk von Fahrrad gerettet 

Bienenvolk von Fahrrad gerettet

 

Events & Tickets

Clara Luzia Tipp

Clara Luzia

25.01.14 Mürzzuschlag
Tickets bestellen


Seitenübersicht

Zum Seitenanfang