"Leichtes Erdbeben" in Wien-Liesing entpuppte sich als Fliegerbombe
Was zuerst als Erdbeben eingestuft wurde, entpuppte sich als Fliegerbombe, die im Bezirk Wien-Liesing in einer Gärtnerei explodierte. Ein Arbeiter fand den Krater in der Früh.
Was die Zentralanstalt für Meteorologie und
Geodynamik (Zamg) am Freitagabend als leichtes lokales Erdbeben in
Wien-Liesing ohne messbaren Magnitudenwert eingeschätzt hat, war
offenbar die Explosion einer Fliegerbombe in einer Gärtnerei. Wie
Oberstleutnant Robert Klug von der Kriminaldirektion 1 (KD 1) am
Samstag der Austria Presse Agentur sagte, dürfte in den Abendstunden ein vermutlich 500-Kilo-Sprengkörper aus dem Zweiten Weltkrieg in einer Gärtnerei in der Meischlgasse 38 hochgegangen sein.
Trichter.
In der Früh entdeckte ein Mitarbeiter der Gärtnerei einen ziemlich
ausgedehnten Bombentrichter etwa 100 Meter vom Haus des Besitzers des
Unternehmens entfernt auf freiem, wenngleich bepflanztem Gelände. Der
Firmeninhaber selbst hatte am Abend einen dumpfen Knall gehört und
war laut Klug einige Meter in den Garten gegangen, konnte in der
Dunkelheit aber nichts erkennen.
Zündung.
Die Bombe dürfte sich ziemlich tief in den Boden gebohrt haben.
Über viele Jahre wurde das Gelände darüber von dem Gärtner genutzt,
ohne etwas von dem Kriegsrelikt zu merken. Die Explosion dürfte nach
ersten Vermutungen von einem Säurezünder ausgelöst worden sein.
"Dieser hat sich aktiviert", sagte Klug. Personenschäden gab es
nicht, auch Anrainer waren nicht betroffen. Getroffen wurde lediglich
die Gärtnerei, die auf einer größeren Fläche die dort angebauten
Pflanzen nun abschreiben muss.
Sprengkörper.
Samstag früh lief die Untersuchung des Vorfalls. Der
Entminungsdienst war ebenso im Einsatz wie ein
Sprengstoff-sachkundiges Organ. Offen war die Frage, ob es sich um
eine 500 Kilo- oder eine etwas kleinere Bombe handelte. Klug stellte
infrage, ob man dies überhaupt hundertprozentig klären könne - wenn,
dann erst in einigen Tagen: "Außerdem ist es eine eher akademische
Frage, ob es ein 500-Kilo- oder ein 350-Kilo-Sprengkörper war."
Beben.
Der Vorfall hatte jedenfalls für einige Aufregung gesorgt: Die
ZAMG berichtete, die Erschütterungen seien nur sehr lokal - fast
ausschließlich in Liesing - verspürt worden. Dort allerdings seien
die Erschütterungen von vielen Personen wahrgenommen worden und
hätten auch Sorge ausgelöst. Infolge des sehr lokalen Auftretens sei
aus den entfernten instrumentellen Aufzeichnungen kein Magnitudenwert
bestimmbar, auch habe es keine Berichte über Schäden an Gebäuden oder
über Opfer gegeben. Die Feuerwehr sprach in der Früh von einem
dumpfen, explosionsartigen Knall, der für Verwirrung gesorgt habe.
Anrainer hätten ausgesagt, sie hätten Erschütterungen gespürt.












