An Zagrebs Uni war (fast) alles zu kaufen
95 Professoren, Assistenten und Beamte in Haft. Um bis zu 9000 Euro konnten Inskription und Prüfungen "erkauft" werden. Regierung unter Druck.

Foto © APDer Fall gilt als der größte Korruptionsskandal in Kroatien seit Jahren
Die Razzia gegen bestechliche Professoren an der Zagreber Universität geht weiter: Am Freitag hatte die Polizei mehr als 90 Professoren, Hochschul-Assistenten und Beamte zu Verhören abgeführt, gestern gingen die Befragungen weiter. Im Mittelpunkt der Bestechungsaffäre steht nach wie vor die Verkehrstechnische Fakultät, obwohl auch die Professoren an der Wirtschaftsfakultät, der Juridischen, aber auch an der Medizinischen, Bautechnischen und der Zahnmedizinischen Fakultät im Verdacht stehen, Prüfungen gegen Bestechungsgeld ,,verkauft" zu haben. Verhaftet wurden auch einige "Vermittler", weil die Professoren nur über diese das Bestechungsgeld annahmen.
Politische Wellen.
Auch politisch schlägt die Affäre Wellen: Immerhin wurde auch die Wirtschaftsprofessorin Dese Mlikotin Tomic einvernommen. Sie leitet neben ihrer Uni-Tätigkeit den Anti-Korruptionsausschuss im Parlament und steht jetzt selbst unter Verdacht. Die Opposition sprach bereits von einem "Kollaps" der Personalpolitik der national-konservativen Regierungspartei HDZ.
Diplome werden aberkannt.
Viele Diplome werden jetzt aberkannte werden, hieß es in Zagreb. Fürchten müssen sich auch einige Prominente: Laut Medienberichten sind mehrere Parlamentsabgeordnete und Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Verwaltung unter jenen, die sich ein Diplom erschlichen haben, darunter General Vladimir Zagorec, dessen Auslieferung wegen Korruption bei Waffengeschäften Kroatien von Österreich verlangt. Zagorec hat Ende der 90er Jahre an der Verkehrstechnischen Fakultät innerhalb von nur sechs Tagen vier Schlussprüfungen sowie die Diplomprüfung "abgelegt". Der Rektor der Universität, Aleksa Bjelis, sagte, dass es nun zur Schließung einiger Fakultäten kommen könnte.
Verschuldete Eltern.
Für die Inskription gab es an den Fakultäten fast überall einen einheitlichen "Tarif" von 9000 Euro, obwohl es überall Aufnahmeprüfungen gibt. Der Preis für den Kauf von Prüfungen variierte. Ein Student erklärte vor den Kameras, dass das "Kaufen" von Prüfungen seit Jahren ein offenes Geheimnis sei. Der Preis stieg rasant an, je näher die Prüfungstermine rückten. "Es kam vor, dass ein Professor mittels Vermittler dann bis zu 3000 Euro für das ,Bestehen' einer Prüfung verlangte", erzählte ein Student. Manche Eltern nahmen deshalb Kredite für ihre Kinder auf. Die 300 Polizisten, die an der Aktion "Studienbuch" beteiligt sind, fanden bei einem Hochschulprofessor 25.000 Euro Bestechungsgeld, bei einem anderen sogar 80.000 Euro. Als die Polizisten einen inhaftierten Professor fragten, was ein armer Student machen solle, der sich das Bestechungsgeld nicht leisten könne, antwortete dieser seelenruhig: "Er muss eben lernen!"
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"Aktion Indeks"
Mehr als 21 Professoren, drei Assistenten und drei Verwaltungsbeamte stehen unter Verdacht, unter der Hand illegale Gebühren kassiert zu haben, um Studenten die Zulassung zur Universität zu ermöglichen.











