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Zuletzt aktualisiert: 07.09.2008 um 11:09 UhrKommentare

Missbrauchsfall: Max Friedrich unter Beschuss von Psychiaterkollegen

Max Friedrich, Wiener Psychiater und bekannt durch den Fall Kampusch, wird verdächtigt, eine Minderjährige in einem Gutachten beeinflusst zu haben. Ein 35-jähriger Kärntner verbrachte deswegen 21 Monate unschuldig im Gefängnis.

Max Friedrich

Foto © APAMax Friedrich

Der Wiener Psychiater Max Friedrich steht unter Beschuss seiner Kollegen. Laut mehreren Medienberichten soll er in einem Gutachten zu einem Prozess wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen in Klagenfurt das Opfer in seiner Aussage beeinflusst haben. Friedrich war am Sonntag für die APA für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Unschuldig im Knast. Das Gutachten soll dazu beigetragen haben, dass ein 35 Jahre alter Kärntner 21 Monate schuldlos im Gefängnis gesessen war. Vor zehn Tagen wurde der Mann am Landesgericht Klagenfurt vom Vorwurf des schweren sexuellen Missbrauchs einer Minderjährigen im Zweifel freigesprochen.

Vorwurf des Missbrauchs. 2003 wurde der Mann verurteilt, weil er laut Anklage der Staatsanwaltschaft seine damals vier Jahre alte Stieftochter missbraucht haben soll. Um das Kind tobte damals im Zuge einer Scheidung der Kampf um das Sorgerecht. Dabei wurde der Verdacht laut, der Großvater des Mädchens habe das Kind missbraucht. Im Zuge der Ermittlungen gegen den Großvater kam dann auch der 35-Jährige ins Visier der Ermittler. Beide Männer wurden 2003 zu drei Jahren Haft verurteilt.

"Antworten vorgelegt". Der Mann - er hatte immer seine Schuldlosigkeit beteuert - saß bereits 21 Monate im Gefängnis, als er jedoch eine Wiederaufnahme des Verfahrens erreichte. Ausschlaggebend für die Wiederaufnahme war ein Gutachten aus Deutschland, das attestierte, dass die Stieftochter in ihrer Aussage beeinflusst worden sein könnte. Laut "Kurier" bekundete der deutsche Spezialist der Psychiatrischen Klinik München, Norbert Nedopil, dass die Befragung des Mädchens eher wie eine "polizeiliche Einvernahme" anmutete, es aber auf gar keinen Fall den Ansprüchen einer wissenschaftlichen Methode genüge. "Zudem hat Friedrich dem Kind nicht nur Suggestivfragen gestellt, sondern der Kleinen auch noch Antworten vorgelegt. Das ist eine hochgradige Beeinflussung", sagte Nedopil der Zeitung.

Stellungnahme. Der Gerichtsgutachter Friedrich hat im "Kurier" zur den Vorwürfen Stellung genommen: "Ich kenne die Anschuldigungen nicht, habe aber die Vorwürfe in der Zeitung 'News' gelesen. Derzeit kann ich dazu nicht viel sagen, da es für mich noch ein schwebendes Verfahren ist. Nur eines möchte ich festhalten - ein Sachverständiger ist nur ein Gehilfe für das Gericht. Ob ein Angeklagter verurteilt wird oder nicht, müssen die Richter und in diesem Fall auch die Schöffen entscheiden. Ich kann niemanden verurteilen. Jeder Beschuldigte hat aber das Recht, das Gutachten einzuklagen."


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