Missbrauchsfall: Max Friedrich unter Beschuss von Psychiaterkollegen
Max Friedrich, Wiener Psychiater und bekannt durch den Fall Kampusch, wird verdächtigt, eine Minderjährige in einem Gutachten beeinflusst zu haben. Ein 35-jähriger Kärntner verbrachte deswegen 21 Monate unschuldig im Gefängnis.

Foto © APAMax Friedrich
Der Wiener Psychiater Max Friedrich steht unter
Beschuss seiner Kollegen. Laut mehreren Medienberichten soll er in
einem Gutachten zu einem Prozess wegen sexuellen Missbrauchs von
Minderjährigen in Klagenfurt das Opfer in seiner Aussage beeinflusst
haben. Friedrich war am Sonntag für die APA für eine Stellungnahme
nicht erreichbar.
Unschuldig im Knast.
Das Gutachten soll dazu beigetragen haben, dass ein 35 Jahre alter
Kärntner 21 Monate schuldlos im Gefängnis gesessen war. Vor zehn
Tagen wurde der Mann am Landesgericht Klagenfurt vom Vorwurf des
schweren sexuellen Missbrauchs einer Minderjährigen im Zweifel
freigesprochen.
Vorwurf des Missbrauchs.
2003 wurde der Mann verurteilt, weil er laut Anklage der
Staatsanwaltschaft seine damals vier Jahre alte Stieftochter
missbraucht haben soll. Um das Kind tobte damals im Zuge einer
Scheidung der Kampf um das Sorgerecht. Dabei wurde der Verdacht laut,
der Großvater des Mädchens habe das Kind missbraucht. Im Zuge der
Ermittlungen gegen den Großvater kam dann auch der 35-Jährige ins
Visier der Ermittler. Beide Männer wurden 2003 zu drei Jahren Haft
verurteilt.
"Antworten vorgelegt".
Der Mann - er hatte immer seine Schuldlosigkeit beteuert - saß
bereits 21 Monate im Gefängnis, als er jedoch eine Wiederaufnahme des
Verfahrens erreichte. Ausschlaggebend für die Wiederaufnahme war ein
Gutachten aus Deutschland, das attestierte, dass die Stieftochter in
ihrer Aussage beeinflusst worden sein könnte. Laut "Kurier" bekundete
der deutsche Spezialist der Psychiatrischen Klinik München, Norbert
Nedopil, dass die Befragung des Mädchens eher wie eine "polizeiliche
Einvernahme" anmutete, es aber auf gar keinen Fall den Ansprüchen
einer wissenschaftlichen Methode genüge. "Zudem hat Friedrich dem
Kind nicht nur Suggestivfragen gestellt, sondern der Kleinen auch
noch Antworten vorgelegt. Das ist eine hochgradige Beeinflussung",
sagte Nedopil der Zeitung.
Stellungnahme.
Der Gerichtsgutachter Friedrich hat im "Kurier" zur den Vorwürfen
Stellung genommen: "Ich kenne die Anschuldigungen nicht, habe aber
die Vorwürfe in der Zeitung 'News' gelesen. Derzeit kann ich dazu
nicht viel sagen, da es für mich noch ein schwebendes Verfahren ist.
Nur eines möchte ich festhalten - ein Sachverständiger ist nur ein
Gehilfe für das Gericht. Ob ein Angeklagter verurteilt wird oder
nicht, müssen die Richter und in diesem Fall auch die Schöffen
entscheiden. Ich kann niemanden verurteilen. Jeder Beschuldigte hat
aber das Recht, das Gutachten einzuklagen."












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