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Zuletzt aktualisiert: 06.09.2008 um 21:59 UhrKommentare

"Stärker auf die Stärken schauen"

Was Monika Kircher-Kohl, Infineon Vorstandsvorsitzende und Vize-Vorsitzende der Kommission "Zukunft der Schule" zum Schulstart rät.

Wären Ihre zwei Töchter noch schulpflichtig, in welcher Schule wären sie?
MONIKA KIRCHER-KOHL: Ich würde noch mehr, als wir es getan haben, das Angebot mit den Töchtern gemeinsam anschauen und sehr flexibel entscheiden.

Erstmals gibt es die gemeinsame Mittelstufe, die in Kärnten mit fünf Klassen startet. Was muss diesem Modellversuch unbedingt folgen?
KIRCHER-KOHL: Der Zulauf zeigt, dass der Bedarf an Schulen, die sich stärker am Kind orientieren, gigantisch ist. Die Erkenntnisse daraus müssen dann auf die Mittelschulen aufgerollt werden.

Der Schulbeginn bietet Chancen für Neuerungen. Was empfehlen Sie Schülern, Eltern, Lehrern?
KIRCHER-KOHL: Wirklich auf die Stärken der Kinder zu schauen, auf den Talenten aufzubauen und sich nicht durch die Überverwaltung entmutigen zu lassen.

Für Sie ist die Individualisierung des Unterrichts unverzichtbar. Was meinen Sie konkret?
KIRCHER-KOHL: Wir sollten weder in die parteipolitische noch in die Verwaltungsdiskussion verfallen sondern diskutieren, wie künftig der Unterricht ausschauen soll.

Wie könnte der 2020 aussehen?
KIRCHER-KOHL: Im Klassenverband gibt es für Hochbegabte Einzelförderung, es gibt Gruppen, die voneinander stärker lernen. Die realitätsbezogene Didaktik, das Lernen außerhalb der Schulmauern, wird gestärkt. Und es gibt Ansätze, dass wir nicht so viele Kinder auf dem Bildungsweg verlieren, weil sie zu wenig Lese- und Sprachkompetenz haben.

Sie fordern gesetzlich verpflichtende Lehrerfortbildung?
KIRCHER-KOHL: Es ist indiskutabel, wenn Pädagogen das unterrichten, was sie vor 30 Jahren lernten. So werden Jugendliche nicht fürs 21. Jahrhundert ausgebildet.

Kärntner Studenten ziehen weg und bleiben weg. Wie bringt man sie zurück?
KIRCHER-KOHL: Es hängt mit attraktiven Jobs zusammen. Wichtig ist auch ein Klima der Internationalität, da könnte Kärnten noch offener, bunter werden.

Sorge, dass die Neuwahlen die Bildungsreform blockieren?
KIRCHER-KOHL: Wir haben in den letzten zwei, drei Jahren einen Bildungsdialog begonnen, der über Parteigrenzen hinweggeht. Ich sehe nicht mehr die Gefahr, dass die große Bildungsreform komplett aufzuhalten ist.

Wie sind Bildungs- und Berufsberatung zu verbessern?
KIRCHER-KOHL: Es ist ein Kernproblem, dass heute keine an der Person der Jugendlichen ansetzende Beratung erfolgt. Konzepte in Kärnten zeigen, dass die Berufswahl nur in geringem Maße falsch ausfällt. Denn da werden den Kindern schon im Volksschulalter Berufsbilder vermittelt. Mit zwölf, 13 gibt es persönliche Betreuung in Richtung Neigungen und Berufsinteressen. Es ist wichtig, die Eignungen von Mädchen in Richtung Naturwissenschaften zu stärken, damit sie nicht weniger verdienen.

Sie sind eine Vorzeigefrau: Ist das die Konsequenz daraus, dass Sie bzw. Ihre Eltern die richtigen Entscheidungen auf dem Bildungsweg getroffen haben?
KIRCHER-KOHL: Ich musste mir das Studium erobern, mit unglaublicher Toleranz und Unterstützung bei jedem Schritt, den ich für mich entschieden habe. Es war damals in der Provinz nicht selbstverständlich, dass eine Tochter mit mehreren Geschwistern studieren kann.

A. BERGMANN

Fakten

Kicher-Kohl nimmt am Freitag, 12. September ab 12 Uhr bei Infineon Villach (Siemensstraße 2) an der Podiumsdiskussion "Bildung als gemeinsame Verantwortung" teil, zu der infineon und Industriellenvereinigung laden.

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