Lage spitzt sich zu: Ausnahmezustand und ein Toter in Bangkok
Ausnahmezustand über Bangkok verhängt. Verbot der Regierungspartei wegen Stimmenkaufs beantragt.

Foto © APAAusnahmezustand in Bangkok
Eine Woche nach Ausbruch schwerer
Unruhen in Thailand hat sich die Lage am Dienstag weiter zugespitzt.
Ministerpräsident Samak Sundarajev ließ den Ausnahmezustand über die
Hauptstadt Bangkok verhängen und erklärte, dies sei die "mildeste
Form", um Ruhe und Ordnung wiederherzustellen. Zuvor war bei blutigen
Zusammenstößen zwischen Anhängern und Gegnern der Regierung ein
55-jähriger Mann ums Leben gekommen, 43 Personen wurden verletzt. Die
staatliche Wahlkommission warf der der regierenden "Partei der
Volksmacht" (PPP) Betrug bei den allgemeinen Wahlen vom Vorjahr vor
und beantragte ihr Verbot. Sie beschuldigte die PPP, Stimmen gekauft
zu haben.
Empfehlung.
Die PPP war als Nachfolgeorganisation der aufgelösten Partei "Thai
Rak Thai" (TRT) ("Thais lieben Thais") des für massive Korruption
verantwortlich gemachten exilierten Ex-Regierungschefs Thaksin
Shinawatra gegründet worden. Die Empfehlung der Wahlkommission wird
nun an die Generalstaatsanwaltschaft weitergeleitet. Diese muss
entscheiden, ob ein Verbotsantrag gegen die PPP beim Obersten
Gerichtshof des Königreichs eingereicht werden soll. Angeführt wird
die landesweite Protestbewegung gegen die Regierung von der
königstreuen "Volksallianz für Demokratie" (PAD) von Sondhi
Limthongkul und Ex-General Chamlong Srimuang.
Putsch.
Thaksin, der sich in Großbritannien aufhält, war im September 2006
nach sechs Jahren im Amt durch einen von der Krone gebilligten
Militärputsch gestürzt worden. Doch gewann die PPP als Partei seiner
Anhänger die Parlamentswahlen im Dezember 2007. In den Augen der
Opposition ist Samak eine Marionette Thaksins.
Panik.
Samak versicherte auf einer Pressekonferenz, dass der
Ausnahmezustand nicht lange in Kraft bleiben werde, nannte jedoch
keinen Zeitrahmen. Durch die Maßnahme sind Versammlungen von mehr als
fünf Personen und jegliche Medienberichterstattung untersagt, die
"Panik auslöst". 435 Schulen wurden vorsorglich für drei Tage
geschlossen. In der Nacht waren am Regierungssitz, dessen Areal seit
einer Woche von Anhängern der Opposition besetzt ist, Hunderte von
Demonstranten - teils mit Schlagstöcken, Metallstangen und Messern -
aufeinander losgegangen. Soldaten trennten beide Gruppen, die sich
anschließend auf einen Kilometer voneinander entfernt gelegene Plätze
zurückzogen.
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Fakten
Die von der PAD geführten Proteste gegen die Regierung dauern bereits mehrere Tage an. Die Demonstranten verlangen den Rücktritt des Ministerpräsidenten. Die PAD wirft seiner Regierung vor, eine Marionette des vom Militär gestürzten ehemaligen Regierungschefs Thaksin Shinawatra zu sein, der sich im Exil befindet.












