Spanair steht nach Unglück vor dem möglichen Aus
Spanair, Spaniens zweitgrößte Airline, hat 300 Millionen Euro Schulden. Spanische Finanzexperten zweifeln angesichts des Flugzeugabsturzes, dass sich die Fluggesellschaft von diesem Schlag erholen wird.

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Eine Woche nach dem tragischen Flugzeugabsturz von Madrid zeichnet sich für die betroffene Fluggesellschaft Spanair eine düstere Zukunft ab. Bereits in der ersten Hälfte dieses Jahres hatten die allgemeine Branchenkrise, hohe Treibstoffkosten und die nachlassende Spanair einen Verlust von 55 Millionen Euro beschert und sogar das Mutterunternehmen, die skandinavische Airline SAS, tief in die roten Zahlen gezogen. Über 300 Millionen Euro Schulden lasten auf der Airline. Das Flugzeugunglück vom 20. August, bei dem 154 Menschen ums Leben kamen, könnte Spanair nun endgültig das Genick brechen.
Spanair
Spanair ist Spaniens zweitgrößte Fluggesellschaft. 2005 konnte die Fluglinie über 9 Millionen Passagiere verzeichnen.
Kundenvertrauen im Keller. Das Vertrauen der Konsumenten in die Airline befindet sich auf dem Tiefpunkt. Der Ticketverkauf ist eingebrochen. Die voraussehbaren Sammelklagen der Angehörigen der 154 Todesopfer werden dem Unternehmen zusätzlich hart zusetzen. Dramatische Zeitungsberichte über die veraltete Flotte sowie zwei weitere ?außerplanmäßige“ Landungen in Malaga und Granada wegen technischer Probleme schürten nur wenige Tage nach dem Madrider Flugzeugunglück erneut das Misstrauen in die Sicherheit der Airline.
Muttergesellschaft
2003 kaufte die skandinavische Airline SAS Spanair.
Verkauf geplant. Welche Zukunft die skandinavische Muttergesellschaft SAS für ihr verlustbringendes "Sorgenkind" aus Spanien plant, ist seit dem Unglück noch ungewisser als zuvor. Schon seit 16 Monaten versucht SAS-Chef Mats Jansson vergeblich, die ungeliebte Tochter loszuwerden. Im Juni erklärte er, dass die durch die Kerosinverteuerung verursachte allgemeine Branchenkrise einen Verkauf von Spanair derzeit so gut wie unmöglich mache. Viele Interessenten zogen sich wegen der aktuellen Krisenstimmung zurück oder boten so wenig, das Jansson nur abwinken konnte.
Gründung
Spanair wurde 1986 von den spanischen Unternehmern des heutigen Reisekonzern Marsans, Gonzalo Pascual und Gerardo Diaz, als Charter-Airline gegründet.
Kauf war Verlustgeschäft. Spanair war bald nach der Gründung zur zweitgrößten Airline des Landes aufgestiegen. SAS sah in Spanair deshalb den geeigneten Partner, um sein Spanien- und Lateinamerika-Geschäft auszubauen und übernahm 95 Prozent des Kapitals. Doch schon kurz nach der Übernahme begann mit dem gigantischen Anstieg der Kerosinpreise der Sturzflug der Spanair-Fluglinie. Das Gros ihrer Fluggäste waren aufgrund der Flugziele Touristen, die sensibel auf die durch den Kerosinaufschlag bedingten Preiserhöhungen reagierten. Zudem war die Flotte von Spanair überaltert.
Flotte
Insgesamt zählt die Spanair-Flotte 65 Maschinen, darunter sind 36 Jets vom Typ MD-82. Diese sind wegen ihres hohen Kerosinverbrauchs verschrien.
Sparprogramm statt Investitionen. Anstatt die als Spritschlucker-Jets der Flotte gegen neuere, sparsamere Maschinen auszutauschen, will SAS lieber Spanair wieder verkaufen. Nach den gescheiterten Verhandlungen versuchte man die unliebsame Fluglinie mit einem drastischen Sparprogramm am Leben zu erhalten: Unrentable Verbindungen werden bis September gestrichen, fünf Stützpunkte in Spanien werden dicht gemacht und 1.100 der insgesamt 3.800 Arbeitsplätze sollen abgebaut werden. Zudem sollen bis Oktober rund ein Viertel aller Flugzeuge abgestoßen werden. Das erklärte Ziel: Es sollen 90 Millionen Euro Kosten im Jahr gespart werden. Ob das nach dem Absturz von Flug JK 5022 noch reicht, ist fraglich.











