"Wir nehmen die, die keine Bank will"
Menschen ohne Geld erhalten in der Zweiten Sparkasse in Klagenfurt-Fischl seit Februar Rechtsberatung, ein Konto und neue Perspektiven. Ein Lokalaugenschein.
Vorsichtig schiebt die junge Frau den Kinderwagen aus der Tür. Sparkasse prangt auf einem großen blassblauen Schild, die Wörter "Die Zweite" stehen hauchdünn und leicht zu übersehen darüber. Das Baby schreit, die Mutter wirkt sehr müde. Sie sieht erst nach links, dann nach rechts, bevor sie mit schnellen Schritten hinter dem nächsten Block in der Wohnsiedlung Klagenfurt-Fischl verschwindet.
Schwer verschuldet. Im Beratungsraum in der Bank weiß Gerhard M. aus eigener Erfahrung: "Wer Schulden hat, hat nichts vom Leben. Man quält sich nur von einer Mahnung zur nächsten." Nach der Scheidung von seiner Frau musste er die Schulden für die neue Wohnung übernehmen. "Damit hat alles angefangen", erinnert sich der 35-Jährige. Wenig später hat er seinen Job verloren, die ersten Gehversuche in der Selbstständigkeit scheiterten kläglich. Er konnte nichts mehr zahlen. Schicksale wie dieses kennen die Mitarbeiter der Zweiten Sparkasse zur Genüge. Eine Bank ist normalerweise keine Wohltätigkeitsorganisation, die Zweite Sparkasse widerspricht diesem Prinzip. "Wir nehmen die Kunden, die keine andere Bank will, die nirgends ein Konto bekommen", sagt Leiter Franz Eder. Jene, die schwer verschuldet sind, in der Vergangenheit ihr Konto bis zum Limit überzogen haben.
Ehrenamtlich. Eder betreut sie gemeinsam mit rund 30 Kollegen von der Kärntner Sparkasse. Die Mitarbeiter der Zweiten Sparkasse arbeiten ehrenamtlich ein paar Stunden pro Monat. Tagsüber haben sie es zum Teil mit großen Geldbeträgen zu tun, abends geht es darum, wie die Stromrechnung bezahlt werden kann. Die Filiale in Klagenfurt-Fischl wurde im Februar eröffnet. Der Bedarf ist groß, 15 neue Kunden kommen jeden Monat dazu. Vermittelt werden sie entweder über die Schuldnerberatung oder die Caritas. Die Privatstiftung Kärntner Sparkasse trägt die laufenden Kosten. Meist verläuft der Kontakt wie im Fall Gerhard M. Er hat sich an die Schuldnerberatung gewandt, ist in Privatkonkurs gegangen und hat die Zweite Sparkasse aufgesucht. Dort wurde er beraten.
Gegen das Stigma. Kein Konto zu haben stigmatisiert. "Es war ein Moment des Glücks, als mir meine Bankomatkarte überreicht wurde", sagt Gerhard M. Ein Moment, der ihn ein Stück näher Richtung Alltag gebracht hat. Sein großes Ziel ist ein Leben ohne Schulden. Dann wird er ohne die Zweite Sparkasse auskommen. "Anders als in anderen Banken ärgern wir uns nicht, wenn wir Kunden verlieren. Es ist das Beste, was uns passieren kann", sagt Eder.











