Ärztekammer warnt vor Selbstdiagnosen aus dem Internet
Immer mehr Österreicher konsultieren Medizinportale im Internet. Doch Experten warnen davor, via Web eigeninitiativ zu werden.

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"Gesundheitsportale im Internet haben alle das
Problem der Qualitätssicherung und Aktualität", dies erklärte vor
kurzem Otto Pjeta, Präsidialreferent für Qualitätssicherung der
Österreichischen Ärztekammer in einem Gespräch mit der APA.
Gesundheit" boomt im Internet. Doch eine Vielzahl der Webseiten sei
letztlich nicht einzuordnen. Patienten sollten lieber zum Arzt gehen,
bevor sie via Net eigeninitiativ werden, warnte der Fachmann.
Gefahr in Angaben.
Eine weitere Gefahr stecke auch in den Angaben, "was man
selbsttherapeutischen tun soll", meinte Pjeta im Gespräch mit der
APA. Die Ärztekammer wünscht sich, dass die medizinischen Ratgeber im
Internet seriöse und aktuelle Informationen anbieten und, dass daraus
keine Therapievorschläge gemacht werden, "das wäre elektronische
Kurpfuscherei".
Teure Ratschläge.
Viele Ratschläge aus dem Internet wären zudem teurer als eine
gezielte Diagnose vom Arzt, meinte Pjeta. Ein Krankheitssymptom könne
auf tausende Krankheiten hinweisen. "Ein Mehr an Diagnostik erzeugt
mehr Angst und Sorgen, das macht es nicht billiger", so das Argument
seitens der Ärztekammer.
"Sehr gut".
Mit einem "sehr gut" schloss 2007 das österreichische
Gesundheitsportal netdoktor.at bei einem Test des Vereins für
Konsumentenschutz (VKI) ab. Geschäftsführer Christian Maté warnte
gegenüber der APA vor einer Selbstdiagnose nach Recherchen im
Internet: "Es gibt zwei Tabus in der Medizin: Die Diagnose- und die
Therapieerstellung dürfen nur erfolgen, wenn der Arzt den Patienten
gesehen hat".
Updatezyklus.
Für alle Schwerpunktseiten ("große Volkskrankheiten") gebe es
einen Updatezyklus von zwei Jahren, so Maté, d.h. an Experten aus den
acht verschiedenen Partnerfachgesellschaften (Dermatologie, etc.)
ergehen Fragebögen über neue Erkenntnisstände bei Krankheiten,
Fortschritte bei Therapien, usw.
Information.
Der häufigste Grund die Webseite aufzusuchen liege darin, dass
sich der Konsument über eine Krankheit informieren wolle, weil
beispielsweise gerade eine Diagnose vom Arzt erstellt wurde. Danach
folge die Gruppe jener Menschen, welche sich informieren wollen, zu
welchem Arzt sie für eine erste Diagnose gehen sollten. Das dritte
Segment sei der Erfahrungsaustausch. Maté: "Ein Viertel der Zugriffe
auf netdoktor.at erfolgt in den Foren, um persönliche Erfahrungen zu
tauschen".
Häufige Krankheiten.
Thematisch gefragt seien Informationen zu Krankheiten, welche
häufiger vorkämen, wie Diabetes, Rheuma und Rückenbeschwerden. Auch
das Alter, Ausbildung und Einkommen spielten eine Rolle. "Der
Schwerpunkt liegt bei den besser gebildeten Menschen und hier vor
allem bei Frauen", erläuterte Maté. Zumeist seien die User zwischen
20 und 45 Jahren, einen starken Zuwachs gebe es bei 50+.
Features
Fakten
Nach Angaben des VKI konsultieren bereits weit mehr als die Hälfte
aller User Gesundheitsportale im Internet. Hauptgründe für den Boom
seien: Patienten möchten bei medizinischen Entscheidungen eine
aktivere Rolle spielen, Frustration über ausbleibende
Behandlungs-
erfolge, Vertrauensver-
VKI-Test:
Medizin-Seiten im Internet. Rat beim Online-Doktor. HEFT 3/2007, erhältlich unter http://www.konsument.at








