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Zuletzt aktualisiert: 17.08.2008 um 05:10 UhrKommentare

Amors Pfeil traf sie im Kuhstall

Einziges Happy End der TV-Serie "Bauer sucht Frau": Regina Schabernig aus Wien fand auf einem Metnitztaler Bauernhof ihre große Liebe. Aus einer Turniertänzerin wurde eine Vollblutbäuerin.

Regina Schabernig hat auch am Traktor das Steuer fest in der Hand und kommt nicht ins Schleudern

Foto © PhinoRegina Schabernig hat auch am Traktor das Steuer fest in der Hand und kommt nicht ins Schleudern

Am Freitag am Mariä-Himmelfahrts-Tag haben Regina und Jakob ihren dritten Jahrestag gefeiert. Und ausgerechnet an dem Tag hat ein plötzliches Unwetter das Schlafzimmer unter Wasser gesetzt. Auf einem Bergbauernhof im Metnitztal muss man eben auf vieles gefasst sein, hat Regina Schabernig schon gelernt. Auch wenn der Hof so idyllisch gelegen ist und mit seinen Streuobstwiesen und Kälberweiden rundherum aussieht wie aus dem Bilderbuch.

Nie gedacht. Dass sie einmal Vollblutbäuerin werden würde, die schlachten, Brot backen, Käse machen, mit dem Traktor und Anhänger auf steilem Gelände herumkurven und ohne Scheu einen Stier anhängen kann, hätte sich die ehemalige Chefsekretärin und Turniertänzerin aus Wien nicht gedacht. Wäre da nicht der Tag in einem Strandbad gewesen, an dem sie in einer Zeitschrift das Konterfei ihres Zukünftigen erblickte! Jakob Schabernig war damals Kandidat der Fernsehshow "Bauer sucht Frau". Zwei Frauen fanden an ihm Gefallen und kamen auf seinen Hof nach Feistritz ob Grades. Am dritten Tag standen sich Jakob und Regina endlich allein gegenüber. Mitten unter den Kühen, im warmen Stall. "Da hat voll der Blitz eingeschlagen, die Herzerln sind geflogen", schwärmt Regina Schabernig noch heute. Sie blieb gleich auf dem 81 Hektar großen Mutterkuhbetrieb mit Blondvieh-Kälbern und 60 Hektar Wald.

Eine Weide zur Hochzeit. Einen Monat später war Verlobung, neun Monate später standesamtliche Hochzeit, genau ein Jahr darauf kirchliche Trauung und Hochzeitsreise nach Griechenland. Für Jakob war es der erste Auslandsaufenthalt, Regina war als zweifache Staatsmeisterin im Standardtanz mit 38 Pokalen in der Vitrine schon durch halb Europa getourt. Zur Hochzeit bekam sie elf Hektar Wald und Weideland geschenkt. Die Weide hat sie mit Stacheldraht eigenhändig gezäunt.

Alles. "Sie greift alles an, kapiert schnell und scheut sich nicht vor Schmutz", lobt der Bauer. Seit drei Jahren ist das Paar täglich zusammen. "Das ist nicht zu viel", betonen die beiden Pfarrgemeinderäte, die die Liebe zum Singen teilen und viel miteinander reden. "Er ist Krebs, ich bin Jungfrau, eine Super-Konstellation", lacht die Quereinsteigerin mit Traktor- und Anhängerführerschein, die jüngst den Jagdschein gemacht hat und so "flippig" aussieht, dass man ihr oft nicht glaubt, dass sie Bäuerin ist.

Hineingewachsen. "Ich bin in meine Arbeit hineingewachsen, als hätte ich nie etwas anderes getan", sagt die Volkstänzerin, die die Ausbildung zum Agrarbüromanager am Ländlichen Fortbildungsinstitut mit Auszeichnung abgeschlossen hat, jeden Morgen um halb sechs aufsteht und oft nachts Fleisch einsurt oder Käse "lindet". Für ihre Buffets, die fein passierte Leberwurst und die Marmelade-Eigenkreationen ist sie bekannt.

Mahd. Nun steht die zweite Mahd, das Grummet, bevor. "Groamat", sagt Regina auf Metnitztalerisch und blickt auf die steilen Wiesen vor dem blitzsauberen, einschichtigen Hof, wo der Nachbar der nächste Verwandte ist, wie es heißt. Die erste Mahd sei heuer wegen dem vielen Regen ein Glücksspiel gewesen. Angst habe man gehabt, dass nicht "der Fuchs jagern geht". So sagt man, wenn das Heu rot wird, weil es der Regen erwischt hat. An heißen Tagen hat Regina Schabernig bis 22 Uhr mit Kreiselheuer, Schwader und Ladewagen hantiert. Weil Jakob verletzt war, musste sie alles alleine machen.

Bremsen. "Ständig haben die Bremsen gestochen", erzählt die Aerobic-Sportlerin, deren Wiener Freundinnen immer noch erstaunt fragen, wie sie es denn auf dem Land aushält. Highlife gibt es in dem Örtchen unter der Prekowa wahrlich nicht, Grades ist drei Kilometer und Friesach 18 Kilometer entfernt. Wenn Regina ausgehen will, muss sie nach St. Veit fahren. Einsam fühlt sie sich am Hof dennoch nicht. Es komme ja immer wer, um Geräte auszuleihen oder einen Leckstein zu holen. Außerdem ist der 83-jährige Schwiegerpapa auch noch da. Der macht ihr beim Mittagessen, vor dem "Komm Herr Jesus" gebetet wird, Komplimente. "Ich habe noch niemanden so arbeiten gesehen wie sie", sagt er. Und kochen kann sie auch. Die selbst gemachte Lungenstrudelsuppe ist jedenfalls ausgezeichnet.

Ritual. Einmal im Monat wird im Holzofen Brot gebacken. Es stammt aus eigenem Mehl aus einer alten Roggensorte, für die Jakob noch das Saatgut hat. Das Backen ist ein Ritual ohne Knetmaschine, bei dem auch eine von Jakobs fünf "tollen Schwestern" hilft, die Regina viel beigebracht haben. "Mein Beruf als Bäuerin ist vielfältig und voller Überraschungen, ich kann mir nichts Schöneres vorstellen", sagt Regina, einzige "Bauer sucht Frau"-Kandidatin mit Happy End. "Es ist immer noch wie ein Märchen."

ELKE FERTSCHEY

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Blondvieh-Stier "Sandro" lässt sich gutmütig an der Nase ziehenFoto © Phino

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Die Sense schärft die Quereinsteiger-Bäurin mit und ohne DirndlFoto © Phino

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Strahlende Jagdschein-Besitzerin Schabernig auf der PirschFoto © Phino

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Mit dem Ladekran stapelt sie das Heu in der TenneFoto © Phino

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