US-Behörde will 6.000 Mustangs abschlachten lassen
Einem amerikanischen Symbol geht es an den Kragen - die Wildpferde vermehren sich angeblich zu stark.

Foto © APAPioniergeist-Symbol auf der Abschussliste
Prärie und endlose Grassteppen, Cowboys und Indianer - weltweit rufen diese Begriffe romantische Bilder vom Wilden Westen hervor. Ein lebendes Symbol dieser lang vergangenen
Epoche sind die Mustangs: verwilderte Pferde, die bis heute frei und ungezügelt in zehn westlichen Bundesstaaten der USA leben. Rund 33.000 sind es derzeit. Doch etwa 6000 Tiere sollen noch dieses Jahr zur Schlachtung freigegeben werden.
Tabubruch zuletzt 1971. Es ist das erste Mal seit 1971, dass die zuständige Behörde die Tötung der Wildpferde fordert - ein Tabubruch, der sogleich Tierschützer auf den Plan ruft. Sie werfen dem Staat vor, in den vergangenen Jahren untätig geblieben zu sein und so die aktuelle Lage selbst mit heraufbeschworen zu haben.
"Katastrophe". "Absolut schockierend und völlig überflüssig" seien die Pläne des
Büros für Landmanagement (BLM), sagt Holly Hazard vom US-Tierschutzbund. "Dies ist eine Katastrophe, die von Menschen herbeigeführt wurde". Der Tierschutzbund schlage schon seit Jahren vor, einen Teil der Wildpferde zu sterilisieren, ohne dass sich die
Behörden darum gekümmert hätten. Die staatlichen Stellen hätten diese Maßnahme vollkommen verschlafen und viel zu spät reagiert.
Weideland gefährdet? Seit 1971 ist das BLM für die Wildherden zuständig - seine Aufgabe ist es, für "gesunde Herden auf gesundem Weideland" zu sorgen. Doch das Weideland ist aus Sicht der Behörde inzwischen stark gefährdet. Da Mustangs keine natürlichen Feinde haben, wuchsen die Herden. In Regionen, in denen deshalb Vegetation und Wasser knapp zu werden drohen, kontrolliert das BLM die Herdengrößen, indem es jedes Jahr Tiere einfängt, in Sammelstellen unterbringt und zur "Adoption" freigibt.
Zum Thema
125 Dollar pro Pferd. Für 125 Dollar können sich US-Bürger ein gefangenes Tier kaufen. Der Interessent muss nachweisen, dass er über eine ordentliche Unterkunft für das Pferd verfügt. Neben den 33.000 Tieren in freier Wildbahn betreut das BLM in seinen Sammelstellen ungefähr noch einmal so viele Pferde, die nun zur Adoption stehen. Doch die Nachfrage sinkt. Die durch die Ölkrise steigenden Preise für Futter und Kraftstoff schrecken viele Käufer ab.
Kosten steigen. Für die Behörde bedeutet das, dass ihre Kosten steigen: Inzwischen
fließt ein großer Teil des Budgets in den Unterhalt der staatlichen Einrichtungen für die Wildpferde. Tierliebhaber wie die Fotografin Elissa Kline, die fast fünf Jahre lang Wildpferde in Idaho fotografierte, kritisieren schon dieses Programm an sich als
"herzzerreißend". In den Sammelstellen würden die Pferde nach Geschlecht und Alter getrennt. Häufig würden den Stuten dadurch ihre Fohlen weggenommen.
Features
Geschichte
Die heutigen Mustangs sind entfernte Nachkommen verwilderter
Zuchtpferde, die ursprünglich von den spanischen Eroberern in
Nordamerika eingeführt worden waren. Aus ent-
laufenen Tieren bildeten
sich große Herden wilder Pferde. Im 20. Jahrhundert gingen ihre
Bestände rapide zurück. Der US-Kongress beschloss deshalb 1971 ein
Gesetz, mit dem das Wildpferd als "Symbol des historischen
Pioniergeistes des Westens", wie es damals hieß, geschützt werden
sollte.











