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Zuletzt aktualisiert: 12.08.2008 um 07:23 Uhr

Pyramidenspiel: "Fast wie bei einer Sekte"

Geld wird in der Hoffnung auf späteren Reichtum "verschenkt": Derzeit kursiert ein verbotenes Pyramidenspiel in Kärnten und der Steiermark.

W"o ich hinkomme, gibt es nur ein Thema: Chart und wie viel Geld jemand bekommen hat. Angeblich ist alles so super, aber das sagen nur die, die gerade erst einbezahlt haben und noch daran glauben. Manchmal habe ich den Eindruck, es handelt sich um eine Sekte", sagt ein Kärntner, der nicht versteht, warum sich Bekannte auf ein Pyramidenspiel eingelassen haben, das sich Schenkkreis, Chart oder Herzkreis nennt. Harmlose Namen für ein Spiel, bei dem Freiwillige 5000 oder 10.000 Euro verschenken und eine Erklärung unterschreiben, dass sie nie etwas zurückfordern werden. Sie alle hoffen auf den großen Gewinn: 40.000 Euro, die in einem bayrischen Hotel vor johlenden Mitspielern übergeben werden.

Gehirnwäsche. "Wenn man den Leuten zuhört, glaubt man, sie stehen unter Drogen. Ich habe alle gewarnt, keiner wollte mir glauben. Jetzt, wo sie nichts bekommen, ist Feuer am Dach. Bei diesen Spielen wird Gehirnwäsche gemacht. Es muss etwas getan werden", fordert ein Insider, der verhindern will, dass weitere Opfer dem Schenkschmäh auf den Leim gehen.

"Spielfieber". Im steirischen Bezirk Voitsberg ist das "Spielfieber" auf dem Höhepunkt angelangt. Kürzlich erst flog ein Treffen mit 30 Leuten in einem Gasthaus auf. "Auch Kärntner werden immer wieder angeworben und fahren zu solchen Treffen in die Steiermark", sagt Josefine Traunik, Leiterin der Abteilung Konsumentenschutz der Arbeiterkammer Kärnten. Und es könne nicht ausgeschlossen werden, dass auch in Kärnten solche Zusammenkünfte stattfinden.

Abzocke im Internet. "Die Polizei kann nur tätig werden, wenn eine Anzeige vorliegt oder wenn sie von sich aus auf solche Pyramidenspiele aufmerksam wird", sagt Gottlieb Türk, Leiter der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit im Landespolizeikommando Kärnten. Im Internet sieht man, dass solche Abzockmethoden seit Jahren kursieren. Eine Klagenfurterin weiß von einem Bekannten, der vor Kurzem "angekeilt" wurde. "Eine Familie hat abkassiert und hundert andere werden um ihr Erspartes betrogen", meint sie. Aus Angst vor Repressalien macht sie aber keine Anzeige.

ANDREA KRATZER UND ASTRID KULLNIG

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