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Zuletzt aktualisiert: 11.08.2008 um 05:51 UhrKommentare

Drama um vertauschte Kinder

Mädchen wurden 1983 in einer Klinik in Polen vertauscht. Das fiel auf, als sie 17 waren, weil ein Kind eine Zwillingsschwester hat, die man für die Doppelgängerin hielt.

Es ist eine Geschichte wie aus einem Roman: Zwei Neugeborene werden vertauscht, wachsen in fremden Familien auf, erst nach Jahren erkennen die Eltern ihre wahren Kinder. Nur dass die Geschichte wahr ist und zu einem schmerzhaften Erlebnis für zwei polnischen Familien und deren Töchter wurde.

Vertauscht. 1983 sind in zwei Warschauer Krankenhäusern am selben Tag die Zwillingsmädchen Katarzyna und Nina sowie ein anderes Mädchen, Edyta zur Welt gekommen. Drei Wochen später kamen Nina und Edyta wegen einer Krankheit in die Klinik. Als die Eltern ihre Töchter zwei Wochen später abgeholten, nahmen sie nicht mehr die eigenen Kinder mit nach Hause. Wahrscheinlich wurden die Mädchen beim Baden vertauscht.

Behinderung. Eine der beiden Mütter schöpfte Verdacht. Das Mädchen war an einem Fuß behindert, als es eingeliefert wurde. Es verließ das Krankenhaus aber vollkommen gesund. Das sei ein Ergebnis der hervorragenden Behandlung, sagte das Personal damals. Aber fortan ähnelten die beiden angeblichen Zwillingsschwestern einander immer weniger. Doch das könne bei nicht eineiigen Zwillingen durchaus passieren, wurde den Eltern erklärt. So wuchsen Edyta als Nina und Nina als Edyta bei fremden Eltern auf.

Zwillinge. Erst nach 17 Jahren wurden die Familien mit der Wahrheit konfrontiert. Schulkameraden Ninas fanden es lustig, dass sie eine neue Bekannte kennengelernt hätten, die wie ihre Doppelgängerin aussah.

Die Ähnlichkeit der wiedergefundenen Zwillingsschwestern war tatsächlich verblüffend. 2000 trafen sich die Mädchen und ihre Familien zum ersten Mal. Nachdem die Vermutungen durch Ermittler bestätigt wurden, zogen die Familien beider Mädchen vor Gericht. Jetzt begann in Warschau das Verfahren. Die Eltern verlangen vom Krankenhaus und seinem Besitzer, dem Staat, 100.000 Zlotys Entschädigung (30.000 Euro), eine Summe, die von Beobachtern als relativ niedrig eingeschätzt wird. Es sei schwer zu beurteilen, was für langfristige psychische Folgen dieses Ereignis haben kann. Auch für die fernere Zukunft seien durchaus Probleme zu erwarten, etwa im Fall von Erbschaften.

Missverständnis. Die Geschichte hat auch sonst kein glückliches Ende. Nach der ersten Wiedersehensfreude tauchten bald Missverständnisse auf. Katarzyna und Nina (also die ursprüngliche Edyta) brachen die Kontakte mit Edyta (lange Zeit Nina) ab. Die heutige Edyta wiederum vernachlässigte die Kontakte nicht nur mit ihren biologischen, sondern auch mit ihren "sozialen" Eltern, bei denen sie aufgewachsen ist.

Schwierige Situation. Ihr leiblicher Vater, also der Vater der Zwillingsschwestern, bezeichnete die gegenseitigen Beziehungen kürzlich als höflich und gut, aber immer schwieriger.

Identifikationsarmbänder. Vor vier Monaten hat Edyta (also die ursprüngliche Nina) ein eigenes Kind geboren. Bereits kurz nach der Geburt verlangte sie ausdrücklich zwei Identifikationsarmbänder für ihr Neugeborenes. "Damit meinem Baby nicht das nicht passiert, was mir zugestoßen ist" sagte die junge Frau.

AGNIESZKA HRECZUK, WARSCHAU

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