Zeuge des Gletscherschwunds
Kärntner bestieg den höchsten Berg des Kaukasus, um auf Klimawandel aufmerksam zu machen.

Foto © ReutersDer Elbrus im Kaukasus ist mit 5642 Metern Seehöhe der höchste Berg Europas
Klimawandel ist mehr als ein abstrakter Begriff in einer akademischen Diskussion. Die globale Erwärmung ist sichtbar und sie ist mittlerweile für alle Erdenbewohner fühlbar - und dies sogar sehr.
Klimawandel. Der 46-jährige Wilfried Seywald, aus Berg im Drautal stammende Kärntner und Leiter der Public Relations-Agentur "pressetext" in Wien, hat es sich zum Ziel gesetzt, die Öffentlichkeit auf die Folgen des Klimawandels aufmerksam zu machen. Im Vorjahr berichtete der Drautaler vom massiven Gletscherrückgang auf dem Kilimandscharo, dem mit 5896 Metern höchsten Berg Afrikas und zugleich einer der höchsten freistehenden Berge der Welt.
Höchster Berg Europas. Heuer führte eine Expedition Wilfried Seywald auf den Elbrus, den mit 5642 Meter höchsten Berg des Kaukasus. Auf dem Gipfel entrollten die Bergsteiger ein Transparent gegen die globale Erwärmung.
"Nicht immun". "Auf den ersten Blick scheint der Kaukasus vom Gletscherwandel verschont zu bleiben", berichtet Seywald. Denn sieben der schneereichsten Winter seit Beginn der Aufzeichnungen 1962 wurden in den letzten zehn Jahren hier gemessen. "Doch auch die Gletscher auf dem Elbrus sind nicht immun gegen den fortschreitenden Klimawandel", erklärt Seywald. Das belegen historische Aufzeichnungen. "Die Wasserspiegel der Seen der Region sind seit den 50-er Jahren deutlich gestiegen, die Gletscher dagegen sind geschrumpft", sagt der engagierte Umweltschützer. "In den 70-er Jahren gab es hier noch 2000 Quadratkilometer Gletscher, heute sind es maximal noch 1500 Quadratkilometer."
Zunächst harmlos. Trotzdem sei die Region um den Elbrus im Aufbruch. 350.000 Touristen kommen jährlich auf den Berg. Allerdings birgt der zunächst harmlose Elbrus zahlreiche Gefahren, vor allem durch unberechenbare Lawinen, große Temperatur-Unterschiede und andere Wetterkapriolen. Seit 2002 haben hier über 50 Bergsteiger ihr Leben gelassen.
Gleichgewicht gestört. Das Schneeparadies lockt aber auch immer mehr Schifahrer an, auch wenn die Infrastruktur veraltet ist. Allerdings eröffnete erst vor einem Jahr eine moderne Umlaufkabinenbahn - gleich neben einer verrosteten Uralt-Gondelbahn. "Gerade die unkontrollierten Baumaßnahmen stören das natürliche Gleichgewicht in der Region", fürchtet Seywald. Als er jetzt den Elbrus bezwang, war am Nachmittag ans Schifahren nicht zu denken: "Bei Temperaturen über zehn Grad war der Schnee extrem matschig."











