Kampf gegen Umwelt-Giftbomben
Bezirkshauptmannschaft St. Veit enfternt Bahnschwellen, die als Weidezäune verwendet wurden. Die Holzteile gelten als hochgiftig. Sie sind kärntenweit in Gebrauch.

Foto © NovakZuerst liegen die Bahnschwellen am Boden, dann landen sie in der Kärntner Landschaft: Gottfried Ronijak vor einem Bahnschweller, der als Zaun dient. 400 dieser Teile wurden bereits entfernt
Ein Rundgang um den Kraiger See im Bezirk St. Veit entlang des Panoramaweges erinnert an einen Bahnhof. Es riecht intensiv nach "Bahnsteig". Das überrascht nicht, sind entlang des Weges doch hunderte Bahnschwellen als Halterungen für Weidezäune eingesetzt.
Imprägnierung. "Die mit Kreosot behandelte Bahnschweller gelten seit 1.1.2007 als gefährlicher Abfall," warnt der Chef der St. Veiter Bezirksforstinspektion Gottfried Ronijak. Bahnschwellen, die vor dem 30. März 1999 imprägniert wurden, gelten laut Bezirksforstinspektion sogar als giftig. Die tickenden Zeitbomben sind nicht nur am Kraiger See, sondern in ganz Kärnten ein Problem.
"Altlasten". Weil die Verwendung von Bahnschwellen im Bezirk St. Veit aber besonders stark ist, wurde die Behörde nun als erste aktiv. Die "Altlasten" sollen so schnell wie möglich weg. 400 umweltgefährdende Bahnschwellen, die als Weidezäune und in Hangverbauungen verwendet wurden, sind schon demontiert.
Nahrungskreislauf. "Wir haben in Lölling, im Glantal, in der Gemeinde Frauenstein Probleme damit. Oft kommen diese giftigen Bahnschwellen in entlegenen Gebieten bei Hangsicherungen und in den forstlichen Wegebau zum Einsatz. Dort wird das Kreosot dann ausgewaschen und kommt in den Nahrungskreislauf," begründet Ronijak seinen Aufschrei. Doch wie wird man die Bahnschwellen los? Um das Problem in den Griff zu bekommen", schlägt Gernot Wurm (Kärnter Umweltabteilung) vor. "Wer seine Bahnschwellen entsorgen will, soll beim Abtransport Hilfe von den Bauhöfen der Gemeinden bekommen. Die Entsorgung kann kostenlos erfolgen, Hilfestellung gibt die Umweltabteilung." Frauensteins Amtsleiter Günther Spendier sieht das anders: "Wenn mit dem Aufstellen der Bahnschwellen ein Gesetz gebrochen wurde, dann müssen jene die Beseitigung zahlen, die verantwortlich sind." Der Grundbesitzer in Kraig, Ferdinand Ruhdorfer meint: "Alle Zäune wurden vor Jahren errichtet. Ich reiße nichts ab, ich bin aber bereit keine weiteren Bahnschwellen aufzustellen". Für Ronijak ist das zu wenig.
Darmkrebs. "Da Bahnschwellen mehrere Jahrzehnte auf den Gleiskörpern der ÖBB in Verwendung stehen, sind also alle derzeit eingesetzten, eingegrabenen oder irgendwie verbauten Bahnschwellen giftig," stellt Ronijak klar. Dazu kommt, dass Bahnschwellen nur industriell verwendet werden dürfen. "Es gibt Ausnahmen, dass Bahnschwellen beim Zäunen Verwendung finden dürfen. Aber nur dort, wo keine Tiere, keine Menschen und vor allem keine Kinder mit den Bahnschwellen in Berührung kommen können," sagt Ronijak. Vor 1999 imprägnierte Bahnschwellen dürften überhaupt nicht verwendet werden. Das Kreosot ist ein Kontaktgift, teilweise wasserlöslich und gelangt leicht in den Nahrungskreislauf. Chronische Kreosot-Aufnahme, etwa durch Gemüse das in einem von Bahnschwellen begrenzten Beet gezogen wird, können zu Darmkrebs führen, informiert die Bezirkshauptmannschaft St. Veit.
Verkaufs-Stopp. Die ÖBB verkauft mittlerweile keine Bahnschwellen mehr: "Wer von unserem Personal dabei erwischt wird, auf den warten interne Maßnahmen," sagt ÖBB Presse-chef Christoph Posch.
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Gefahr
Die mit Kreosot behandelte Bahnschweller gelten seit 1.1.2007 als gefährlicher Abfall. Bahnschwellen, die vor dem 30. März 1999 imprägniert wurden, gelten laut Bezirksforstinspektion sogar als wahre Giftbomben.
Chronische Kreosot-Aufnahme
Etwa durch Gemüse kann das Gift aufgenommen werden und zu Darmkrebs führen.











