Honeckers modriger Atombunker "Perle" empfängt erstmals Gäste
Der DDR-Hightech-Bau sollte das Überleben der kommunistischen Machtelite sichern. Nun kann man sich Honeckers "Perle" live ansehen.

Foto © Reuters
Es ist dunkel und riecht nach modrigem Keller.
Tief versteckt in einem Kiefernwald bei Prenden nördlich von Berlin
sollte die DDR-Regierungselite im Falle eines Atomschlags überleben.
Die Luftfeuchtigkeit in der unterirdischen Trutzburg ist so hoch,
dass sich dicke Wassertropfen an der kalten Betondecke sammeln und
beim Herabtropfen einen schmierigen Film auf dem Boden bilden.
"Perle".
Der vom Nationalen Verteidigungsrat gebaute Honecker-Führungsbunker mit dem militärischen Code 17/5001 und dem Tarnnamen "Perle" wird am
Samstag erstmals für Besucher geöffnet und kann bis Ende Oktober
besichtigt werden. Anschließend soll er wohl für immer verschlossen
werden.
Rüstungszeit.
Der Bunker, der 1983 fertiggestellt wurde, galt als technische
Meisterleistung und war das wohl aufwendigste Bauwerk seiner Art im
gesamten Ostblock. Er entstand im Zuge der atomaren Aufrüstung
während des Kalten Kriegs, als die USA begannen, eine neue Generation
atomarer Mittelstreckenraketen des Typs Pershing II sowie Cruise
Missiles am Eisernen Vorhang aufzustellen.
Geplündert.
Hannes Hensel vom Berliner Bunkernetzwerk tastet sich im Schein
seiner Taschenlampe durch die ehemals hoch geheime Überlebenskapsel,
in dem die Elite des ersten sozialistischen Arbeiter- und
Bauernstaats auf deutschem Boden Zuflucht suchen sollte. Der Bunker
ist für Besucher nur noch notdürftig beleuchtet - Schrottdiebe haben
fast die gesamte Verkabelung sowie einen Großteil des Rohrsystems
mitgehen lassen.
Ranziger Charme.
Trotz der Plünderer ist noch viel vom ranzigen Charme des
sozialistischen Bauwerks erhalten geblieben, das mit 300 Millionen
Mark zu den teuersten in der DDR gehörte - etwa der aus russischer
und DDR-Technik zusammengebastelte Dispatcherraum, der mit grauen
Pulten und Schaltkästen ausgestattet war und das Kontrollzentrum des
Bunkers bildete.
Wenig begeistert.
DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker war von der die
Vorstellung, seine Staatsgeschäfte von hier aus führen zu müssen,
offenkundig nie angetan. Zur Fertigstellung des Bunkers soll er ein
einziges Mal für 20 Minuten vorbeigeschaut und sich danach in dem mit
Wachtürmen abgeriegelten Kiefernwald nie wieder sehen lassen haben.
Features
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Schlafzimmer unter der ErdeFoto © APA
Buchungen
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Erich HoneckerFoto © APA
Die "Perle"
Der Bunker ist etwa 49 Meter breit, 65 Meter lang und 24 Meter hoch. Im Fall des atomaren Angriffs hätten in den 170 Räumen bis zu 400 Menschen zwei Wochen lang überleben können.










